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Zusammenhalten und gegenseitig unterstützen: so trotzen die Menschen auf Kuba Stromausfällen und Versorgungsengpässen. Auch unter extremen Bedingungen geht das Leben weiter – und die Projektarbeit auch.

 

17. Juni 2026 | Kristina Jularic

Unsere Kollegin Kristina Osen ist Fachreferentin im Projekt KlimaWald und gerade erst aus Kuba zurückgekehrt. Im Interview sprechen wir über die aktuelle Situation im Land, über die Herausforderungen der Projektarbeit und darüber, wie unsere Partner*innen in der Krise weiter für Klimaanpassung und eine bessere Zukunft ihrer Gemeinden arbeiten.

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Während wir uns hier manchmal über Alltagsprobleme wie verspätete Züge beschweren, kämpfen unsere Kolleg*innen in Kuba mit grundlegenden Infrastrukturproblemen: Strom fließt nur für wenige Stunden am Tag, öffentliche Verkehrsmittel sind kaum verfügbar und viele Medikamente und Alltagsprodukte sind Mangelware.

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Dr. Kristina Osen, Referentin im Projekt KlimaWald

Ein Land im Ausnahmezustand

OroVerde: Kristina, wie hast du Kuba und seine Menschen bei dieser Reise erlebt?

Kristina Osen: Ich habe ein Land erlebt, das unglaublich erschöpft ist, aber gleichzeitig voller Würde und Menschlichkeit. Die Situation war in vielen Momenten bedrückend. Stromausfälle gehören inzwischen zum Alltag, Lebensmittel sind knapp und Treibstoff kaum verfügbar. Viele Menschen wissen morgens nicht, wie sie am Abend kochen sollen.

Teilweise gibt es nur ein oder zwei Stunden am Tag Strom, oft mitten in der Nacht. Viele Kubanerinnen und Kubaner haben gelernt, mit nur wenigen Stunden Schlaf auszukommen, weil sie nachts kochen, Wasser abfüllen oder Handys laden müssen, sobald kurz Strom da ist.

Gleichzeitig fehlt jede Planbarkeit. Jeder Tag kann anders verlaufen. Ob Wasser verfügbar ist, ob Lebensmittel organisiert werden können oder ob man überhaupt irgendwo hinkommt, ist oft ungewiss.

Und trotzdem habe ich selten so viel Herzlichkeit erlebt wie dort. Die Menschen teilen das Wenige, das sie haben. Diese Solidarität war überall spürbar. 

OroVerde: Was hat dich persönlich am meisten bewegt?

Kristina: Mich hat beeindruckt, mit welcher Selbstverständlichkeit die Menschen weitermachen. Unsere Kolleginnen und Kollegen bei BIOECO und CESAT laufen teilweise stundenlang zu Treffen, da es keine Transportmöglichkeiten gibt. Manche stehen mitten in der Nacht auf, sobald kurz Strom da ist, um Berichte fertigzustellen oder Dokumente zu verschicken.

Besonders bewegt hat mich, dass der meistgehörte Satz während unserer Reise eigentlich immer war: „No es fácil“ – es ist nicht einfach. Und trotzdem machen die Menschen weiter.

Niemand hat sich beschwert. Stattdessen ging es immer darum, gemeinsam Lösungen zu finden.

Das hat mich sehr bewegt. 

OroVerde: Gab es Momente, in denen du dich machtlos gefühlt hast?

Kristina: Ja, definitiv. Vor allem, wenn man sieht, wie engagiert die Menschen vor Ort arbeiten und welche vielen Hindernisse ihnen gleichzeitig in den Weg gestellt werden.

Es ist schwer auszuhalten, wenn dringend benötigte Materialien nicht ankommen oder Gemeinden nicht besucht werden können, weil schlicht kein Treibstoff verfügbar ist.

Und trotzdem habe ich dort kaum Resignation erlebt. 

Trotz allem arbeiten die Menschen weiter

OroVerde: Wie sah euer Arbeitsalltag vor Ort aus?

Kristina: Vieles musste spontan organisiert werden. Meetings fanden oft ohne Strom statt. Manchmal funktionierte das Internet tagelang kaum. Die Klimaanlagen und Ventilatoren standen still, während die Hitze in den Räumen kaum auszuhalten war.

Gleichzeitig wurde deutlich, wie sehr die Stromausfälle den gesamten Alltag beeinflussen. Besonders für Familien mit älteren Menschen, Kindern oder Menschen mit Behinderung wird vieles noch anstrengender. Ohne Strom verderben Lebensmittel schnell, Wasser muss organisiert werden und selbst einfache Alltagsaufgaben kosten plötzlich enorm viel Kraft.

Abends wurde es früh dunkel und blieb dunkel.

Trotzdem saßen wir alle zusammen in den Räumen, diskutierten, planten und arbeiteten weiter. Diese Professionalität unter solchen Bedingungen war wirklich beeindruckend. 

OroVerde: Welche Rolle spielen eure Partnerorganisationen BIOECO und CESAT für die Gemeinden?

Kristina: Sie spielen eine sehr große Rolle. Die Kolleginnen und Kollegen dort genießen großes Vertrauen in den Gemeinden. Sie kennen die Menschen, die Probleme vor Ort sowie die Auswirkungen der Klimakrise sehr genau.

Gerade jetzt werden private Netzwerke und gegenseitige Unterstützung immer wichtiger. Menschen auf dem Land tauschen Lebensmittel untereinander aus, andere versuchen in kleinen Hausgärten Obst oder Gemüse anzubauen.

Unsere Partner unterstützen genau solche lokalen Lösungen und den Austausch von Wissen innerhalb der Gemeinden.

Warum Zusammenarbeit und Klimaanpassung jetzt so wichtig sind

OroVerde: Euer Projekt KlimaWald beschäftigt sich mit ökosystembasierter Klimaanpassung. Was bedeutet das konkret?

Kristina: Es geht darum, natürliche Ökosysteme gezielt zu stärken, um Menschen dabei zu unterstützen, mit den Folgen der Klimakrise besser umzugehen.

In Kuba bedeutet dies konkret, Wasser besser zurückzuhalten, Wälder zu schützen und degradierte Flächen wiederherzustellen. Denn gesunde Ökosysteme helfen dabei, Dürren abzufedern, Böden zu stabilisieren und die Wasserversorgung zu sichern.

Gerade jetzt wird deutlich, wie wichtig Diversifizierung und lokale Lebensmittelversorgung sind. Hausgärten, widerstandsfähige Anbaumethoden und der Austausch von Wissen innerhalb der Gemeinden gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Das ist besonders in Regionen wichtig, die immer häufiger unter extremen Wetterereignissen leiden.

OroVerde: Warum ist internationale Zusammenarbeit in dieser Situation so wichtig?

Kristina: Weil die Menschen dort nicht allein gelassen werden dürfen. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, wie wertvoll verlässliche Partnerschaften sind. Unsere Partnerorganisationen leisten unglaublich wertvolle Arbeit und versuchen trotz aller Schwierigkeiten, die Gemeinden weiter zu unterstützen.

Internationale Zusammenarbeit bedeutet in einer solchen Situation nicht nur Finanzierung. Sie bedeutet auch Aufmerksamkeit, Vertrauen und Solidarität.

OroVerde: Welche Auswirkungen haben die aktuellen Krisen auf die Projektarbeit?

Kristina: Die Herausforderungen sind enorm. Es fehlt an Material und Treibstoff, teilweise sogar an einfachen Dingen wie Papier oder Druckertinte.

Besonders schwierig ist, dass viele internationale Lieferungen Kuba kaum noch erreichen. Selbst wenn Gelder vorhanden sind, scheitert vieles an Sanktionen, komplizierten Lieferketten oder der Angst von Unternehmen vor wirtschaftlichen Konsequenzen. 

Gleichzeitig wird Hunger für viele Menschen immer mehr zur Normalität. Die zentrale Frage vieler Familien lautet inzwischen: Wie kommen wir heute an Essen?

Ohne Strom verderben Lebensmittel schnell und auch das Kochen wird schwierig.

Und trotzdem funktioniert vieles irgendwie weiter. Für mich ist es fast eine Kunst, mit wie viel Kreativität und Flexibilität die Menschen immer wieder alternative Lösungen finden.

Die Kubanerinnen und Kubaner pflegen ihre Dinge unglaublich sorgfältig und improvisieren mit einer Kreativität, die mich tief beeindruckt hat.

Das Projekt im Überblick

KlimaWald

Projektlaufzeit
2019 – 2027

Projektländer
Dominikanische Republik, Haiti, Kuba

Maßnahmen

  • Erstellung von Landnutzungsplänen und Wiederaufforstung von Wassereinzugsgebieten
  • Pflanzung von insgesamt über 1.000.000 Bäumen bis Projektende
  • Stärkung und Regeneration der Ökosysteme durch naturnahe Maßnahmen
  • Verbesserung der Trinkwasserversorgung der Menschen vor Ort
  • Einführung von Brandschutzbrigaden
  • Förderung von nachhaltiger Landwirtschaft in Agroforstsystemen

Was Hoffnung macht

OroVerde: Was hat dir Hoffnung gegeben?

Kristina: Ganz klar: die Menschen.

Ich habe selten so viel Zusammenhalt erlebt. Wenn bei Veranstaltungen nicht genug Essen vorhanden war, haben die Menschen ihr Essen spontan geteilt. Die Gemeinden unterstützen sich gegenseitig. Viele arbeiten freiwillig mit, obwohl sie selbst kaum etwas besitzen.

Diese Haltung hat mich tief beeindruckt.

OroVerde: Was können wir in Deutschland von den Menschen in Kuba lernen?

Kristina: Vielleicht, wie wichtig Gemeinschaft ist.

In Kuba habe ich erlebt, dass die Menschen auch unter schwierigsten Bedingungen füreinander da sind. Es geht weniger darum, was jemand besitzt, sondern vielmehr darum, wie man miteinander umgeht.

Diese Menschlichkeit und Solidarität haben mich sehr berührt.

OroVerde: Was nimmst du von dieser Reise besonders mit?

Kristina: Mich hat beeindruckt, mit welcher Entschlossenheit unsere Partner trotz aller Schwierigkeiten ihre Arbeit fortführen. Gleichzeitig wurde uns immer wieder gesagt, wie wichtig die langjährige Partnerschaft mit OroVerde ist. Das zeigt: Unsere Zusammenarbeit ist weit mehr als ein Projekt. Sie basiert auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und dem gemeinsamen Ziel, die Lebensgrundlagen der Menschen langfristig zu stärken. Gerade jetzt ist es wichtig, dieses Engagement fortzuführen und ein Zeichen der Solidarität zu setzen.

Ich ziehe wirklich den Hut vor den Menschen vor Ort.

 

KlimaWald-News

Klimaschutz im Ausnahmezustand

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6770 Setzlinge verändern mehr, als man denkt

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Ihr Pressekontakt

Kristina Jularic
Pressearbeit
+49 228 24290-33
kjularic[at]oroverde[dot]de

Fotonachweise: ©OroVerde - K. Osen (alle Bilder)

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