Trockenheit, schwindende Fischbestände und Umweltzerstörung prägen den Alltag im Süden von Honduras. Familien, die vom Fischfang leben, und Umweltschützer*innen setzen sich gemeinsam für den Schutz ihrer Küsten ein – mit beeindruckendem Engagement und neuer Hoffnung.
9. Juli 2026 | Reisebericht von Melissa Brosig
Nach einer fast zweitätigen Anreise in heruntergekühlten Flugzeugen empfängt uns bei unser Ankunft Ende April in Honduras wohlige Wärme, die mit jedem Autokilometer in Richtung Süden schnell in drückende Hitze umschlägt. Es ist Ende der Trockenzeit und der Süden des Landes liegt im sogenannten Trockenkorridor von Mittelamerika. Auf der Fahrt nach San Lorenzo sehen wir trockene Steppe und magere Kühe, die am Straßenrand nach Futter suchen.
Neue Hoffnung für den Golf von Fonseca
Auch am Golf von Fonseca bestimmt Wasser den Alltag. Die meisten Menschen fangen Fische, Krustentiere und Garnelen in den Lagunen und Mangrovenwäldern an der Küste und verdienen so ihren Lebensunterhalt. Doch Garnelenfarmen in den Lagunen graben den Fischerfamilien buchstäblich das Wasser ab. Der Klimawandel bringt Hurrikans und Sturmfluten mit sich, die den Wasserfluss einer ganzen Lagune verändern. Auch Viehzucht, Landwirtschaft, Siedlungs- und Straßenbau bedrohen das ökologische Gleichgewicht. Wasserverschmutzung und die Abholzung von Mangroven, die wichtige Laichgründe sind, sorgen dafür, dass die Fänge immer geringer ausfallen.
Dort, wo jeder Tropfen zählt
Die Partner empfangen uns sehr herzlich und berichten uns, welche Maßnahmen sie seit Beginn des Projekts im letzten Jahr durchführen konnten. Aber sie skizzieren auch, welche Herausforderungen ihren Alltag bestimmen. Für Laura stehen in den nächsten Tagen der Dienstreise viele Treffen mit Netzwerken und Behörden auf der Agenda, wie mit dem nationalen Waldinstitut ICF oder der lokalen Fischereibehörde DIGEPESCA, um mehr über deren Ziele zu erfahren. Denn die politische Vernetzung ist eine wichtige Komponente in diesem Projekt. Währenddessen tausche ich mich mit den Kollegen über Marketing und Fundraising aus. Ich scharre derweil schon mit den Gummistiefeln, um mir anzuschauen, wie die Partner die Aktivitäten vor Ort umsetzen.
Das Projekt im Überblick
Projektlaufzeit
2025-2029
Projektland
San Lorenzo, Los Delgaditos und El Jicarito im Golf von Fonseca in Honduras
Maßnahmen
- Restaurierung und Aufforstung von Mangroven und Lagunen
- Stärkung nachhaltiger Fischerei
- Monitoring der Artenvielfalt an Land und im Wasser
- Verbessertes Management der Naturschutzgebiete
Das leistet unsere Partnerorganisation CODDEFFAGOLF
Unsere Partnerorganisation CODDEFFAGOLF arbeitet seit über 38 Jahren als lokale Organisation mit den Gemeinden zusammen, um die Küsten und ihre Flora und Fauna zu schützen und die Menschen dabei zu unterstützen, hier ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Politische Vernetzung ist für die Arbeit von CODDEFFAGOLF von zentraler Bedeutung. Die Organisation ist viel in Gremien aktiv, um Umweltschutz immer wieder auf die Agenda der Lokalpolitik zu setzen. Seit Jahrzehnten sorgt die Organisation so dafür, dass die Bedürfnisse der kleinbäuerlichen Fischerfamilien gehört und sie in ihren Rechten gestärkt werden. Auch arbeiten unsere Partner mit den lokalen Behörden zusammen, etwa beim Co-Management der Schutzgebiete. Eine große Stärke ist dabei ihre Fähigkeit, eigene Daten zum Beispiel zum Vorkommen von unterschiedlichen Arten zu erheben und so die Biodiversität zu messen. Zur Auswertung von Wasserproben hat CODDEFFAGOLF sogar ein eigenes Labor eingerichtet – und kann so ganz unmittelbar positive und negative Entwicklungen zur Wasserqualität im Golf dokumentieren.
Die Daten aus dem Monitoring dienen ihnen und den Behörden dann als Basis für Entscheidungen – und könnten in Zukunft auch dafür sorgen, dass die staatlich sehr stark geförderte, großflächige Garnelenfischerei, die sich seit Jahrzehnten innerhalb der Naturschutzgebiete breitmacht, eingeschränkt wird.
Menschen, die Naturschutz leben
Endlich geht es los! Auf drei Exkursionen lernen wir die Fortschritte kennen. Es geht in die Lagunen von La Guapinol und La Alemania und die Mangrovenwälder im Naturschutzgebiet Los Delgaditos. Die Projektkoordinatorin Sach Oseguera hat dabei sehr viel Raum und Zeit eingeplant, damit wir uns direkt mit den Menschen vor Ort austauschen und sie uns von ihren Erfahrungen berichten können.
In der Lagune La Guapinol treffen wir Maigra und Luz Marina, die sich seit Jahrzehnten für den Schutz und Erhalt der Lagunen und Mangrovenwälder in ihrer Gemeinde einsetzen. Mich beeindruckt, wie mutig und entschlossen die beiden mit Unterstützung von CODDEFFAGOLF gegen Umweltzerstörung vorgehen. Eindrücklich schildern sie, wie sie bedroht und eingeschüchtert werden. Dass Maigra bei dem Treffen einen Personenschützer dabei hat, der während des Gesprächs die Zufahrt zu Lagune genau im Blick hat, bereitet mir Gänsehaut und macht mir bewusst, wie real diese Gefahr für die Menschen ist.
Inzwischen ist es brüllend heiß geworden, sodass es mir vor den Augen flimmert. Isaia, Alfonso und Luz Marina zeigen uns anschließend, wie sie das Vorkommen der heimischen Vögel, der Zugvögel und Säugetiere in der Lagune dokumentieren. Es ist kaum zu glauben, dass sie dies jeden zweiten Samstag bei jedem Wetter durchführen. Doch sie haben ein klares Ziel vor Augen: Die Zahlen fließen in die Statistik der Waldbehörde ein und belegen, welche große Bedeutung die Lagune länderübergreifend hat.
Am nächsten Feldtag zeigen uns Pedro und Laura in der Lagune La Alemania, wie die Gruppe der Lagunenfischer mit Spaten und Schaufel den Wasserlauf der Lagune vertieft und damit den Gezeitenfluss wiederherstellt, sodass das Meerwasser wieder in der Lagune ankommt.
Im Gegensatz zum ersten Feldbesuchstag sind die Lagunenfischer hier gelöster und fröhlicher. Es ist der erste Projektbesuch von OroVerde und sie freuen sich sehr darüber, dass wir uns für ihren Einsatz interessieren. Schon nach wenigen Minuten in der Lagune merke ich auch hier, wie anstrengend die Arbeit in der Hitze und im tiefen Schlamm sind – und habe wirklich Respekt, dass die Menschen trotz dieser schweren, körperlichen Arbeit so fröhlich und motiviert bei der Sache sind.
Harte Arbeit für ein besser Zukunft?
Besonders beeindruckend: Der Einsatz für den Umweltschutz ist komplett ehrenamtlich. Trotz oder gerade wegen der prekären wirtschaftlichen Lage, in der sich viele Gemeinden befinden, pflanzen sie unermüdlich Bäume oder graben bei sengender Hitze per Hand einen langen Graben in den Lagunenschlamm. Denn staatliche Hilfe aus Honduras bekommen sie nicht. Sie sind daher hoch motiviert, das Beste aus dem Projekt von CODDEFFAGOLF und OroVerde herauszuziehen. Den Menschen ist sehr bewusst, dass die finanziellen Mittel, die für das Projekt benötigt werden, auch von deutschen Privatpersonen kommen. Deshalb freuen sie sich besonders, zu zeigen, wie sie diese Mittel einsetzen und welchen Unterschied dies vor Ort macht.
Glaube setzt Bäume.
Darüber hinaus haben die Menschen einen festen, unerschütterlichen Glauben daran, dass sich mit der Renaturierung der Lagunen und Mangroven die Dinge wieder zum Guten wenden werden. Dass die Auswirkungen des Klimawandels abgepuffert werden können. Dass sich mit jeder neu gepflanzten Mangrove das Ökosystem stärkt. Dass die Bestände der Fische und Muscheln wieder zunehmen und sich damit auch ihre Einkommenssituation wieder verbessert. Diese positive Lebenseinstellung angesichts der vielfältigen Herausforderungen beeindruckt mich zutiefst.
Im Herzen des Mangrovenwaldes
Der krönende Abschluss der Feldbesuche ist der Besuch der Mangrovenwälder an der Küste von Los Delgaditos. Hier zeigt uns Silvia, wo sie im Vorgängerprojekt Mangroven angepflanzt haben und wie sich diese entwickeln.
Voller Stolz demonstrieren uns Franklin und Ninoska die Funktionsweise der neu gebauten Muschelbänke in einem Kanal zwischen den Mangroven und angeln mit uns im Gewässer im Golf. Und wir sehen Mangroven, Mangroven, Mangroven. Wir schlendern zwischen ihnen, klettern über sie und waten im Wasser zwischen ihnen hindurch. Die Mangroven sind über uns, neben uns und unter uns. Erst jetzt verstehe ich wirklich, warum die Menschen hier so leidenschaftlich für ihren Schutz kämpfen und was ihnen Hoffnung schenkt für die Zukunft. Es sind diese wilden Bäume, die mit ihren weit verzweigten Wurzeln ein dichtes Lebensnetz bilden. Um es mit den Worten von Franklin zu sagen: „Ich bin in diesen Ort verliebt. In die Natur. In die Mangroven.“
Nach knapp neun Arbeitstagen verlassen wir den Golf von Fonseca und unser Schutzprojekt und machen uns wieder auf die lange Heimreise nach Deutschland. Im Gepäck haben wir sehr vielfältige Eindrücke und viele spannende Geschichten über das, was mit den Spenden vor Ort erreicht wurde.
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Fotonachweis: ©CODDEFFAGOLF (Titelbild im Mangrovenwald, OroVerde- und CODDEFFAGOLF-Mitarbeiterin, Luz Marina,), OroVerde - M. Brosig (Lagunenfischer, M. Brosig L. Krings, Fischer im golf von Fonseca)
Zuletzt aktualisiert: 9.07.2026
