Schokolade ©OroVerde

Kakao und Schokolade

Süße Versuchung mit gutem Gewissen?

Jeder kennt sie nur allzu gut: Schokolade. Ob gemütliches Plätzchenbacken oder ein Schokoladeneis im Sommer, Schokolade ist in unserem Alltag immer präsent. Sie ist längst kein Luxusprodukt mehr, sondern vielmehr zu einem Massenprodukt geworden. Es gibt sie in allen erdenklichen Formen, Varianten und den verrücktesten Geschmacksrichtungen. Der Kakao für unsere Schokolade stammt aus dem weit entfernten Regenwald.
In den Regenwaldgebieten sind der enorme Kakaoverzehr und der damit verbundene Nutzungsdruck auf den Wald deutlich spürbar. So gehört Deutschland weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Konsum von Kakaoprodukten. Hierzulande betrug im Jahr 2011 der Pro-Kopf-Konsum von kakaohaltigen Lebensmitteln 11,6 kg. Von der Industrie werden weltweit steigende Absätze angenommen. Ist unser Hunger nach Kakao eigentlich noch zu bändigen? Vielleicht sollten wir unseren Konsum neu überdenken, denn dieser bleibt nicht ohne Folgen - für den Menschen sowie für den Regenwald.

Schon gewusst?
  • Ursprünglich stammt Kakao aus Lateinamerika, doch heutzutage wird der meiste Kakao in Westafrika (v.a. Elfenbeinküste und Ghana) und Indonesien angebaut.
  • Es gibt verschiedene Anbaumethoden für Kakao, u.a. in Monokulturen, mit Schattenpflanzen oder in biodiversen Agroforstsystemen mit vielen unterschiedlichen Pflanzen.
  • In Deutschland ist der Anteil von Schokolade aus Fairem Handel im Vergleich zu dem von konventioneller Schokolade immer noch sehr gering (etwa 0,2%).

Fragen und Antworten zu Kakao und Schokolade

Wie und wo wächst Kakao?

Der Kakaobaum ist im tropischen Regenwald beheimatet und benötigt für sein Wachstum ein warmes und feuchtes Klima sowie einen schattigen Standort. Er wächst daher in der unteren Baumschicht des Regenwaldes, unterhalb von sogenannten Schattenpflanzen. Da der Kakaobaum nur unter sehr bestimmten klimatischen Bedingungen wachsen kann, sind weltweit nur wenige Flächen für den Kakaoanbau geeignet, die durch den Klimawandel immer weiter schrumpfen. Ursprünglich stammt Kakao aus Lateinamerika, doch heutzutage wird der meiste Kakao in Westafrika (v.a. Elfenbeinküste und Ghana) und Indonesien angebaut.


Welche Anbaumethoden gibt es für Kakao?

Es gibt unterschiedliche Anbaumethoden von Kakao, die je nach Regionen und/oder Besitzverhältnissen variieren können. Drei Anbaumethoden sollen im Folgenden kurz beschrieben werden. Im Allgemeinen kann zwischen konventionellem und biologischem Anbau unterschieden werden. Die Kakaoernteerträge können je nach Anbaumethode sehr unterschiedlich ausfallen. Der Kakaoertrag pro Hektar hängt aber generell nicht nur von der Anbaumethode ab, sondern auch von weiteren Faktoren, wie z. B. den Wettereinflüssen, der Kakaosorte, der Größe der Anbaufläche, dem Alter der Bäume, der Bodenbeschaffenheit u.v.m.

Anbau mit Schattenpflanzen

Kleinbauern pflanzen Kakao oftmals mit einer Schattenpflanzenart an. Somit wird der Stress für die Kakaopflanzen reduziert und sie sind dadurch weniger anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Als Schattenpflanzen werden meistens andere Nutzpflanzen (wie z. B. Bananenstauden) verwendet, welche den Bauern zusätzliche Erträge einbringen. Der Anbau mit Schattenpflanzen kann ohne den Einsatz von Pestiziden erfolgen, somit ist der biologische Kakaoanbau möglich. Bei dieser Anbaumethoden können nur niedrige bis mittlere Kakaoerträge erreicht werden.

Anbau in Monokultur

Der Kakaoanbau in Monokulturen erfolgt meistens auf großen Plantagen und hat weitreichende Auswirkungen auf die Umwelt. Da die Bäume auf den Kakaoplantagen sehr dicht beieinander stehen, können sich Schädlinge und Krankheiten schnell ausbreiten. Kakao in Monokulturen benötigt daher eine intensive Behandlung mit Pestiziden, aber auch mit Mineraldüngern. Die Düngung ist deshalb notwendig, weil der Boden sehr einseitig belastet wird und dadurch schnell auslaugt. Durch den Anbau in Monokulturen und den Pestizideinsatz ist die Artenvielfalt auf den Plantagen stark reduziert. Chemikalien, die auf den Plantagen verwendet werden, gelangen in die Böden und das Grundwasser. Dies wirkt sich auch folgenschwer auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen und Tiere vor Ort aus. Die fehlenden Schattenbäume werden häufig mit Netzen ersetzt, die den Zugang von Fauna auf den Flächen zusätzlich erschweren. Beim Kakaoanbau in Monokulturen können, anders als bei anderen Anbaumethoden, allerdings durch manuelle Bestäubung die höchsten Ernteerträge erzielt werden.

… und Regenwald nachhaltig schützen.

Anbau in Agroforstsystemen – die Hoffnung für den Regenwald?

Beim Kakaoanbau in Agroforstsystemen wird Kakao zusammen mit mehreren verschiedenen Schattenbäumen, Boden- und Nutzpflanzen angebaut. Die hohe Artenvielfalt simuliert die natürliche Umgebung der Kakaobäume – den Regenwald. Durch größere Abstände zwischen den Kakaobäumen ist das Risiko einer Ausbreitung von Krankheiten reduziert. In der Regel erfolgt der Anbau nach ökologischen Kriterien, also ohne Pestizideinsatz und Dünger. Durch die diverse Vegetation ist der Boden besser vor Erosion geschützt. Ausgelaugte Böden können wieder eine erhöhte Bodenfruchtbarkeit erlangen. Die Kakaoerträge fallen bei dieser Anbaumethode zwar niedriger aus, dennoch stellt der Anbau unterschiedlicher Nahrungs- und Nutzpflanzen eine weitere Einnahme- und Nahrungsquelle der Bevölkerung dar. Zudem kann Kakao mit der Bio-Zertifizierung zu höheren Preisen verkauft werden.

Tropenwaldschutz durch Kakaoanbau

Folgen Sie uns in den Waldgarten: Durch ökologischen und nachhaltigen Kakaoanbau können die Auswirkungen des intensiven Kakaoanbaus auf den Regenwald (wie z. B. Regenwaldrodung, Bodenerosion, Verschmutzung des Trinkwassers) minimiert und die Flächen länger genutzt werden. All dies trägt zum Schutz der Tropenwälder bei. Das OroVerde-Projekt „WaldGewinn“ fördert den Anbau von Bio-Kakao in Guatemala. Ziel ist es, durch eine Mischung vielfältiger Nutzpflanzen mit Kakao und Edelhölzern als Schattenspendern sowie verschiedenen Fruchtbäumen, die Ernährungssicherheit der Familien vor Ort zu verbessern und Einkommensalternativen zu schaffen. Außerdem sind die Flächen so angelegt, dass sie in Struktur und Vielfalt dem umgebenden Regenwald nachempfunden sind. Dadurch wird erreicht, dass in den Nutzflächen wieder Lebensräume für heimische Tier- und Pflanzenarten entstehen und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaveränderungen, Schädlingsbefall und Pflanzenkrankheiten erhöht wird.

Lesen Sie mehr über WaldGewinn-Projekt und unterstützen Sie es mit Ihrer Spende.


Kakaoanbau als Treiber der Entwaldung?

In der Vergangenheit wurde für die Schaffung von Kakaoanbauflächen viel Regenwald abgeholzt. Dies gilt es in Zukunft zu stoppen! Erfahren Sie, wie ökologischer Kakaoanbau zum Schutz der Regenwälder beitragen kann. 

Kleinbauern produzieren rund 90% des weltweit angebauten Kakaos. Sie stehen jedoch lediglich nur fünf Großunternehmen gegenüber, die den Großteil des weltweiten Kakaohandels kontrollieren (absolute Monopolposition von wenigen großen Unternehmen). Damit sind weltweit rund 5 bis 6 Millionen Kleinbauern und ihre Familien auf nur wenige Großunternehmen angewiesen und die Kakaobauern werden zum Spielball der Machtstrukturen.


Warum Kakao aus fairem Handel kaufen?

Der Anteil von Schokolade aus Fairem Handel in Deutschland ist im Vergleich zu dem von konventioneller Schokolade immer noch sehr gering (etwa 0,2%1,5). Insgesamt ist Schokolade aber, neben Kaffee und Kunsthandwerk, eine der absatzstärksten Produktkategorien fair gehandelter Produkte in Deutschland.

Kinderarbeit ist im Kakaosektor weit verbreitet. Um diese und andere soziale Probleme (wie Armut, Ausbeutung und ungleiche Machtverteilungen) in den Griff zu bekommen, ist es zu empfehlen, Kakaoprodukte aus Fairem Handel zu unterstützen. Über den Fairen Handel zertifizierte Bauerngemeinschaften (Kooperativen) erhalten feste Mindestpreise für ihre Kakaoernte und eine feste Prämie, die für Gemeinschaftsprojekte verwendet wird (wie z.B. der Bau von Schulen oder Brunnen). Zudem werden langfristige Handelsbeziehungen und die Einhaltung internationaler Arbeitsrechte und –standards (wie keine Zwangs- und Kinderarbeit, geregelte Löhne und Arbeitszeiten, Sicherheit am Arbeitsplatz, u.v.m.) garantiert.

Übrigens: Die Siegel des Fairen Handels können auch ökologische Kriterien beinhalten, dennoch konzentrieren sie sich in erster Linie auf soziale Standards. Es gibt mittlerweile auch Siegel, die beides miteinander vereinbaren.

 

Werden Sie aktiv!

Durch einen verantwortungsvolleren Konsum von Schokoladenprodukten kann jeder einzelne etwas zum Schutz der Tropenwälder beitragen. Fangen Sie gleich damit an:

  • Zertifizierte Schokolade aus biologischem Anbau und Fairem Handel kaufen. Wichtig dabei: "Fair" ist kein rechtlich geschützter Begriff, weshalb es kein einheitliches Siegel gibt, das Produkte aus Fairem Handel eindeutig kennzeichnet. Verlieren Sie nicht den Durchblick im "Siegeldschungel"! Unserem Positionspapier entnehmen Sie, welche Siegel verlässlich sind.
  • Weniger is(s)t mehr! Den eigenen Schokoladenkonsum reduzieren und auf Qualität statt auf Quantität achten.
  • Interesse an zertifizierter Schokolade bekunden.
  • Allgemeine Regenwaldschutz-Projekte unterstützen oder gezielt den nachhaltigen Kakaoanbau in Anbaugebieten fördern (wie das Hondurasprojekt mit "Bio-Schokolade den Regenwald retten".)
Das könnte Sie auch interessieren:
  • Kakao kommt hauptsächlich aus Westafrika. Er wird aber auch in Indonesien angebaut, wo OroVerde ein Regenwaldschutz-Projekt betreut. Lesen Sie hier nach
  • Auch in Honduras können Sie helfen, den bereits verlorenen Regenwald wieder aufzubauen. Zum Beispiel mit unserem "Baum für Baum"- Projekt
  • Für Lehrer: Im Rahmen diverser Umweltbildungsprojekte haben wir Unterrichtsmaterialien erstellt. Nutzen Sie sie und bringen Ihren Schülern bei, woher Ihr Kakao eigentlich kommt.
  • Wenn Sie tiefer einsteigen wollen, schauen Sie mal in unsere Quellendateien nach.

Noch Fragen zu Kakao und Schokolade?

Michael Metz
Team Internationale Projekte
Telefon: 0228 24290-46
E-Mail: mmetz@oroverde.de