Kakaofrüchte

Kinderarbeit im Kakaosektor

Kakaoplantage statt Schule?

Meist ist Armut einer der Hauptgründe von Kinderarbeit. Weitere Ursachen sind die strukturellen Gegebenheiten der einzelnen Länder sowie der Bildungsstand der Bevölkerung. Im Kakaoanbau ist Kinderarbeit deshalb so weit verbreitet, weil dieser sehr arbeitsintensiv ist. Auch der Menschenhandel spielt im Kakaosektor eine Rolle. Vor allem in Burkina Faso und Mali werden Kinder von Menschenhändlern z.B. an Busstationen abgefangen und über die Grenze in die Elfenbeinküste (oder seltener nach Ghana) gebracht und zur Arbeit auf den Kakaoplantagen gezwungen.

Schon gewusst?
  • Die größte kakaoproduzierende Region der Welt ist Westafrika.
  • In Ghana und der Elfenbeinküste herrscht die meiste Kinderarbeit. 2009 arbeiteten in jedem der Länder über 800.000 Kinder im Kakaoanbau, davon mehr als 260.000 Kinder pro Land in ausbeuterischer Kinderarbeit.
  • Einige Kinder, die auf Kakaoplantagen arbeiten, haben jahrelang keinen Kontakt zu ihren Familien.

Fragen und Antworten zur Kinderarbeit im Kakaosektor

Warum gibt es Kinderarbeit im Kakaosektor?

Kleinbauern bewirtschaften meistens nur kleine Flächen (etwa 2-5 ha). Die Kakaobauern sind vom Anbau des Kakaos sehr abhängig, da der Verkauf des Kakaos oftmals die einzige Einkommensquelle einer ganzen Familie ist. Hinzu kommen starke Einkommensschwankungen der Bauern, die auf die Schwankungen des Weltmarktpreises von Kakao zurückzuführen sind. Die Weltmarktpreise sind heute deutlich niedriger, als in den 1980er-Jahren, wobei die Ausgaben der Bauern gleich hoch geblieben oder sogar gestiegen sind (z. B. die Ausgaben für Dünger und Pestizide, aber auch für neue Baumsetzlinge). Mangelnde Investitionen in die Farmen, die aufgrund der niedrigen Einkommen nicht getätigt werden können, führen z. B. dazu, dass die Kakaobäume veralten und sie ihr Ertragsmaximum längst überschritten haben. Dies wiederum reduziert die Ernteerträge und hat eine allgemeine Verschlechterung der Gesamtsituation der Bauern zufolge. Ein weiterer wichtiger Grund für Kinderarbeit im Bereich des Kakaoanbaus ist der Mangel an erwachsenen Arbeitern, der u.a. durch zu hohe Lohnforderungen der Arbeiter an die Kakaobauern zustande kommt. Ein Kinderarbeiter aus Burkina Faso auf einer Kakaoplantage z. B. in Ghana kostet einen Arbeitgeber etwa die Hälfte von dem, was ihn ein erwachsener Erntehelfer kosten würde.


Wo gibt es Kinderarbeit im Kakaosektor?

Definition: Was ist "ausbeuterische Kinderarbeit"?

Von ausbeuterischer Kinderarbeit spricht die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) wenn bestimmte Rahmenbedingungen zum Wohle des Kindes nicht eingehalten werden. Hierzu gehören u.a. dass das Kind seinem Alter entsprechend nur eine begrenzte Stundenanzahl arbeiten darf, dass seine Gesundheit und seine kindliche Entwicklung nicht gefährdet werden darf und jeglicher Zwang verboten ist.

Die Fragen, wo genau und wie viele Kinder von Kinderarbeit in den einzelnen Ländern im Kakaosektor betroffen sind, sind nicht leicht zu beantworten. Es gibt zwar aussagekräftige Zahlen für einzelne Länder (wie z. B. Ghana und Elfenbeinküste), aber globale Statistiken sind bisher nicht bekannt. Die Anzahl der Kinder, die von Kinderarbeit im Kakaosektor betroffen sind, ist nur schwer zu erfassen, da die Kinderarbeit versteckt wird und es unmöglich ist, ein ganzes Land zu untersuchen. Die Zahlen in Studien basieren somit meistens auf Hochrechnungen und klammern die Dunkelziffer aus.
Im Kakaosektor ist vor allem die größte kakaoproduzierende Region der Welt, Westafrika, von Kinderarbeit betroffen. Dabei sind die Länder Ghana und Elfenbeinküste „Spitzenreiter“. Im Jahr 2009 arbeiteten in jedem der Länder über 800.000 Kinder im Kakaoanbau, wobei davon mehr als 260.000 Kinder pro Land in ausbeuterischer Kinderarbeit arbeiteten. 


Welche Aufgaben übernehmen die Kinder?

Die Aufgaben der Kinder auf einer Kakaoplantage sind vielfältig: Sie helfen bei der Ernte und dem Zusammentragen der Kakaofrüchte, beim Öffnen der Früchte, der Trocknung sowie der Verpackung und Verladung der Kakaobohnen. Weitere Arbeiten, die von Kindern auf den Kakaoplantagen verrichtet werden, sind: die Pflege der Bäume, das Unkrautjäten, das Ausbringen von Dünge- und Spritzmitteln und sonstige Aufgaben, die auf der Farm anfallen (wie kochen, putzen und Wäsche waschen). 


Welche Gefahren ergeben sich aus der Arbeit für die Kinder?

Die Arbeiten, die die Kinder verrichten, sind meistens nicht altersgerecht. Kinder sind dem Risiko ausgesetzt, sich Verletzungen während der Arbeit (durch den Gebrauch von Macheten oder durch das Tragen schwerer Lasten, wie etwa 60-70 kg schwere Kakaosäcke) zuzuziehen. Häufig werden auf den Kakaoplantagen zudem Pestizide gespritzt, - nicht immer mit entsprechenden Schutzmaßnahmen, so dass es zu gesundheitlichen Problemen kommen kann. Zudem werden sie gar nicht oder nur sehr schlecht für ihre Arbeit bezahlt. Neben den körperlichen Beeinträchtigungen hinterlässt die harte, ausbeuterische Arbeit auch schwere psychische Störungen. Kinder, die auf Kakaoplantagen arbeiten, haben teilweise z. B. jahrelang keinen Kontakt zu ihren Familien. Die Kinder auf den Plantagen werden außerdem oft beschimpft, gedemütigt oder sogar geschlagen. Der Zugang zu Bildung ist häufig schwierig, auch wenn sich hier in den letzten Jahren Verbesserungen ergeben haben. Somit ist es für sie sehr schwer dem Kreislauf der Kinderarbeit zu entkommen.

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Noch Fragen zu Kakao und Schokolade?

Michael Metz
Team Internationale Projekte
Telefon: 0228 24290-46
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