Kakaofrüchte

Kinderarbeit im Kakaosektor

Kakaoplantage statt Schule?

Kakao ist ein beliebter Rohstoff, der aus den tropischen Teilen unserer Erde zu uns nach Deutschland gelangt. Doch wie wird das „braune Gold“ angebaut? Die traurige Wahrheit hinter der Leckerei ist oft Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen. Meist ist Armut einer der Hauptgründe von Kinderarbeit.

Schon gewusst?
  • Die größte kakaoproduzierende Region der Welt ist Westafrika.
  • In Ghana und der Elfenbeinküste herrscht die meiste Kinderarbeit. 2009 arbeiteten in jedem der Länder über 800.000 Kinder im Kakaoanbau, davon mehr als 260.000 Kinder pro Land in ausbeuterischer Kinderarbeit.
  • Einige Kinder, die auf Kakaoplantagen arbeiten, haben jahrelang keinen Kontakt zu ihren Familien.

Fragen und Antworten zur Kinderarbeit im Kakaosektor

Warum gibt es Kinderarbeit im Kakaosektor?

Die Kleinbauern erzeugen den größten Teil der Welternte. Zugleich sind sie sehr vom Kakaoanbau abhängig, da dieser für sie oft die einzige Einkommensquelle ist. Die stark schwankenden und im Vergleich zu den 1980er-Jahren sehr niedrigen Preise machen es ihnen schwer, vom Kakaoanbau leben zu können, benötigte Arbeitskräfte angemessen zu bezahlen und in den Erhalt ihrer Anbauflächen zu investieren. Der Weltmarktpreis für Kakao hat sich von 1980/81 bis 2017 fast gedrittelt. Dadurch hat insbesondere um das Jahr 2000, als der Preis auf dem Tiefststand war, Kinderarbeit in den westafrikanischen Kakaoanbaugebieten sehr zugenommen. Die Bauern waren schlicht nicht in der Lage, erwachsene Arbeitskräfte zu bezahlen.

Eine auf Umfragen basierte Hochrechnung für Ghana und die Elfenbeinküste ergab, dass 2013/14 2,3 Mio. Kinder in der Kakaoproduktion arbeiteten, was ein Zuwachs von 24 % im Vergleich zu 2008/09 bedeutet. 2,03 Mio. der Kinder (+18 %) arbeiteten in Kinderarbeit, die jegliche Form von Gesundheit, Psyche oder Moral gefährdet. Auch für Kakaoplantagen in Brasilien gibt es Hinweise, dass dort zum Teil Kinder arbeiten.

Die Mehrheit der Kakao anbauenden Familien in Westafrika lebt unter der Armutsgrenze, die bei 1,25 US-Dollar pro Person am Tag liegt. In den Anbauregionen von Kakao liegt der Anteil der unterernährten Kinder mit etwa 30% höher als der Landesdurchschnitt, ebenso die Kindersterblichkeitsrate.

Aufgrund der problematischen Situation der Bauern sieht sich die Industrie von einem Rückgang der Anbauflächen und Erntemengen bedroht. Daher haben viele Schokoladenhersteller Zusagen gemacht, über Projekte und Zertifizierungen die Situation der Bauern zu verbessern. Ob dies dabei tatsächlich im Vordergrund steht oder ob die Industrie vorrangig den Erhalt der Erntemengen erreichen will, bleibt abzuwarten.


Wo gibt es Kinderarbeit im Kakaosektor?

Definition: Was ist "ausbeuterische Kinderarbeit"?

Von ausbeuterischer Kinderarbeit spricht die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) wenn bestimmte Rahmenbedingungen zum Wohle des Kindes nicht eingehalten werden. Hierzu gehören u.a., dass das Kind seinem Alter entsprechend nur eine begrenzte Stundenanzahl arbeiten darf, dass seine Gesundheit und seine kindliche Entwicklung nicht gefährdet werden dürfen und jeglicher Zwang verboten ist.

Die Fragen, wo genau und wie viele Kinder von Kinderarbeit in den einzelnen Ländern im Kakaosektor betroffen sind, ist nicht leicht zu beantworten. Es gibt zwar aussagekräftige Zahlen für einzelne Länder (wie z. B. Ghana und Elfenbeinküste), aber globale Statistiken sind bisher nicht bekannt. Das hat zum einen den Grund, dass die Kinderarbeit versteckt wird und es zum anderen unmöglich ist, ein ganzes Land daraufhin zu untersuchen. Zahlen in Studien basieren somit meist auf Hochrechnungen und klammern die Dunkelziffer aus.
Im Kakaosektor ist vor allem die größte kakaoproduzierende Region der Welt, Westafrika, von Kinderarbeit betroffen. Dabei sind die Länder Ghana und Elfenbeinküste „Spitzenreiter“. Im Jahr 2009 arbeiteten in jedem der Länder schätzungsweise über 800.000 Kinder im Kakaoanbau, wobei davon mehr als 260.000 Kinder pro Land in ausbeuterischer Kinderarbeit arbeiteten.


Welche Aufgaben übernehmen die Kinder?

Die Aufgaben der Kinder auf einer Kakaoplantage sind vielfältig: Sie helfen bei der Ernte und dem Zusammentragen der Kakaofrüchte, beim Öffnen der Früchte, der Trocknung sowie der Verpackung und Verladung der Kakaobohnen. Weitere Arbeiten, die von Kindern auf den Kakaoplantagen verrichtet werden, sind: die Pflege der Bäume, das Unkrautjäten, das Ausbringen von Dünge- und Spritzmitteln und sonstige Aufgaben, die auf der Farm anfallen (wie kochen, putzen und Wäsche waschen). 


Welche Gefahren ergeben sich aus der Arbeit für die Kinder?

Die Arbeiten, die die Kinder verrichten, sind meistens nicht altersgerecht. Kinder sind dem Risiko ausgesetzt, sich Verletzungen während der Arbeit (durch den Gebrauch von Macheten oder durch das Tragen schwerer Lasten, wie etwa 60-70 kg schwere Kakaosäcke) zuzuziehen. Häufig werden auf den Kakaoplantagen zudem Pestizide gespritzt, - nicht immer mit entsprechenden Schutzmaßnahmen, so dass es zu gesundheitlichen Problemen kommen kann. Zudem werden sie gar nicht oder nur sehr schlecht für ihre Arbeit bezahlt. Neben den körperlichen Beeinträchtigungen hinterlässt die harte, ausbeuterische Arbeit auch schwere psychische Störungen. Kinder, die auf Kakaoplantagen arbeiten, habenteilweise jahrelang keinen Kontakt zu ihren Familien und werden außerdem oft beschimpft, gedemütigt oder sogar geschlagen. Der Zugang zu Bildung ist häufig schwierig, auch wenn sich hier in den letzten Jahren Verbesserungen ergeben haben. Somit ist es für sie sehr schwer dem Teufelskreis der Kinderarbeit zu entkommen.

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Das Erstellen der Verbrauchertipps zum Thema Kakao und Schokolade wird gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen und ENGAGEMENT GLOBAL aus Mitteln des BMZ.

Fotonachweis: Brigitte Binder (Titelbild), ©International Cacao Initiative (Kinderarbeit), OroVerde/E.Mannigel (Kakaosack, Regenwaldschutz), BMZ (Siegel), Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW (Siegel)

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