Riesige Palmölplantagen zerstören den Regenwald und seine Artenvielfalt. ©OroVerde

Palmöl

So zerstören Plantagen den Regenwald

Der hohe Verbrauch von Palmöl hat alarmierende weltweite Auswirkungen: Fortschreitende Zerstörung von Regenwäldern, Verlust von Artenreichtum und Biodiversität sowie ein Ankurbeln des Klimawandels sind nur die offensichtlichsten Folgen. Es muss sich etwas ändern! 

In unseren Supermärkten enthält jedes zweite Produkt Palmöl. Die Nachfrage ist riesig: Palmöl wird in Fertigprodukten, Waschmittel, Kosmetik, Pflegeprodukten oder als Biodiesel verwendet. Der überwiegende Teil des importierten Palmöls stammt aus nicht nachhaltiger Produktion. Neben den Herstellern sind also auch wir Verbraucher ein Teil des Problems, wenn wir dieses Palmöl konsumieren. Vor allem in Südostasien, dem Hauptanbaugebiet für Palmöl, führt der massive Ölplamenanbau zu Regenwaldzerstörung, Artenverlust und einer Beschleunigung des Klimawandels. Das Dilemma liegt in den guten Eigenschaften des Palmöls, denn es hat nicht nur den besten Flächenertrag aller Ölpflanzen, sondern es ist außerdem auch sehr vielseitig verwendbar. Mit einer nachhaltigen Nutzung, also durch weniger Verbrauch, Anbau in Bio-Qualität und mehr Verantwortung der Politik & Wirtschaft könnte viel erreicht werden.

 

8 Tipps zum Palmöl sparen

10 wichtige Fakten zu Palmöl

  1. Palmöl ist das weltweit am häufigsten genutzte Pflanzenöl.
  2. Die weltweite Anbaufläche von Ölpalmen hat sich in den letzten 30 Jahren verfünffacht und würde zusammengenommen fast 80 Prozent der Fläche Deutschlands bedecken.
  3. Die fortschreitende Entwaldung beziehungsweise Abholzung für Plantagen zur Palmölproduktion führt zu Verlust der biologischen Vielfalt und beschleunigt den Klimawandel.
  4. Indonesien und Malaysia produzierten 2018 rund 84% der weltweiten Palmölmenge.
  5. In Deutschland werden jährlich 1.340 Schwimmbäder voll Palmöl verbraucht.
  6. Die Ölpalme liefert mit 3,4 t Öl pro Hektar den höchsten Ertrag aller Ölpflanzen.
  7. Die Produktion von Palmöl ist gleich dreifach klimaschädlich.
  8. Indonesien gilt durch die (Brand-)Rodungen von Tropenwald für Palmölplantagen als drittgrößter Klimasünder weltweit.
  9. Beachtet man sämtliche Aspekte, wird bei der Herstellung einer Tonne rohen Palmöls so viel Kohlenstoffdioxid produziert, wie bei der Verbrennung von 370 Litern Benzin. 
  10. Der Gesetzesentwurf für entwaldungsfreie Lieferketten wird derzeit im EU-Parlament diskutiert und bietet eine Perspektive für nachhaltiges Palmöl.

Was ist Palmöl?

Die Ölpalme liefert zwei verschiedene Öle: Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen, es ist geschmacksneutral, bei Zimmertemperatur fest und bei Körpertemperatur flüssig. Palmkernöl wird aus den fetthaltigen Kernen der Pflanze hergestellt.

Die Fruchtbündel der Ölpalme sind 15 bis 25 Kilogramm schwer. Sie bestehen aus 1.000 bis 4.000 eiförmigen ölhaltigen Früchten, die drei bis fünf Zentimeter lang sind. Das Fruchtfleisch hat etwa 45 bis 50 Prozent Ölgehalt. Jede Palme trägt 5 bis 15 Fruchtbündel pro Jahr, die ganzjährig geerntet werden können.

Ölpalmen liefern nach 4 bis 5 Jahren die erste Ernte und haben ihre Hauptertragszeit im Alter von 10 bis 20 Jahren. Nach 25 bis 30 Jahren werden sie in der Regel gefällt, da einerseits der Ertrag abnimmt und andererseits die Palmenhöhe die Ernte erschwert. 

Wo wird Palmöl angebaut?

Ursprünglich stammt die Ölpalme (Elaeis Guineensis) aus Westafrika. Heute ist sie in allen tropischen Regionen der Erde zu finden. Die Ölpalme ist sehr wärmeliebend und gedeiht am besten bei Temperaturen zwischen 24 und 28 Grad Celsius. Außerdem benötigt sie einen hohen Niederschlag von mindestens 100 mm/m² pro Monat und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 70 Prozent. Daher ist der Regenwald ein idealer Standort für Palmölplantagen.

Die größten Ölpalmplantagen gibt es in Südostasien. An erster Stelle liegt Indonesien. 2018 wurden hier auf einer Fläche von 14,3 Millionen Hektar 45 Millionen Tonnen Öl produziert. An zweiter Position der Weltrangliste folgt Malaysia mit 21,8 Millionen Tonnen. Damit entfallen 84 % der weltweiten Palmölproduktion auf diese beiden Länder. Weitere wichtige Anbaugebiete für Palmöl finden sich zudem in Afrika und Lateinamerika. Durch die stetig wachsende Nachfrage nach Palmöl haben sich die globalen Anbauflächen in den vergangenen 30 Jahren fast verfünffacht. Im Jahr 2019 wurden auf 28,3 Millionen Hektar Ölpalmen angebaut. Das entspricht in etwa 80 % der Fläche Deutschlands.

 

Wieso ist Palmöl so beliebt?

Palmöl ist das weltweit am häufigsten genutzte Öl. Es ist bei Produzenten hauptsächlich aus zwei Gründen so beliebt: Zum einen erbringt die Ölpalme von allen Öl-liefernden Pflanzen mit durchschnittlich 3,4 t Öl pro Hektar Fläche den höchsten Ertrag. Zum Vergleich: Soja hat im Schnitt einen Ertrag von 0,36 t Öl pro Hektar und Raps von 0,68 t pro Hektar. Der Flächenverbrauch pro Tonne Öl ist also bei Palmöl wesentlich geringer. Zum anderen ist es aufgrund seiner Eigenschaften sehr vielfältig einsetzbar: es ist geschmacksneutral, hitzebeständig und lange haltbar - also ein idealer Rohstoff für die unterschiedlichsten Produkte.

So viel Palmöl verbrauchen wir:

Im Jahr 2019 wurde mit 46,7 Prozent der größte Teil des in die EU importierten Palmöls für die Herstellung von Biodiesel verwendet. Warum die Nutzung von Palmöl  als Kraftstoff die Palmölproblematik verschärft, erfahren Sie auf unserer Seite Biodiesel aus Palmöl.

In Lebensmittel flossen im gleichen Zeitraum 20,2 Prozent, in Futtermittel 10,9 Prozent und in in Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel (WPR-Produkte) 7,5 Prozent. 8,8 Prozent des importierten Palmöls wurde in der Chemie- und Pharmaindustrie verwendet und der mit 5,8 Prozent kleinste Teil wird für die energetischen Nutzung zur Strom- und Wärmeenergieerzeugung eingesetzt. 

In Deutschland hatte das Öl der Ölpalme 2019 mit 1,38 Millionen Tonnen einen Anteil von rund 16 Prozent am gesamten Pflanzenölverbrauch. 90 Prozent davon fallen auf Palmöl, nur 10 Prozent auf Palmkernöl. Jeder von uns verbraucht im Durchschnitt umgerechnet 19 kg dieses Öls pro Jahr. Knapp ein Fünftel der Gesamtmenge verbraucht die Lebensmittelindustrie. Mehr zum Thema Palmölprodukte und wie Sie diese erkennen können, haben wir auf einer eigenen Seite für Sie zusammengefasst.

Wann ist Palmöl schlecht?

Der Rohstoff Palmöl ist vielseitig verwendbar und die Nachfrage dementsprechend groß. Immer größere Flächen werden für den Ölpalmenanbau benötigt. Die wenigsten Plantagen entstehen allerdings auf einer Freifläche, sondern der tropische Regenwald wird in einem enormen Ausmaß gerodet. Auf der Insel Borneo wurden zwischen 2000 und 2017 über 6 Millionen Hektar Wald zerstört. Auf mehr als 50 % der gerodeten Flächen entstanden Plantagen und auf 90 % der Plantagenflächen wird die Ölpalme angebaut. Gerade in Südostasien, wo Palmöl neben der Holzgewinnung der Haupttreiber der Entwaldung ist, liegt die Hälfte aller tropischen Torfböden, einem der größten CO2-Speicher überhaupt. Durch ihre Zerstörung und das Roden des Regenwalds wird das gespeicherte CO2 freigesetzt und befeuert den Klimawandel.

Unternehmen, die für ihre Produkte Palmöl aus nicht nachhaltiger Produktion nutzen, aber auch ahnungslose Verbraucher, verstärken die Problematik. Manche Menschen würden Palmöl am liebsten komplett vom Markt verbannen - aber ein kompletter Verzicht auf Palmöl wäre aufgrund seines ergiebigen Ertrags und der vielfältigen Einsatzfelder schwierig und auch nicht nachhaltig. Denn wenn stattdessen verstärkt andere Ölpflanzen angebaut werden, die jedoch deutlich mehr Platz verbrauchen, entstehen weitere Nutzungskonflikte. Es kommt eben darauf an, wie das Palmöl angebaut und produziert wird - ob es aus nachhaltiger Produktion stammt oder konventionell hergestellt wurde. 

Palmöl als Treiber des Klimawandels

Studien zeigen, dass die Palmölproduktion einer der Haupttreiber für die Zerstörung der tropischen Regenwälder ist. In Südostasien ist Palmöl neben der Holzgewinnung sogar der Haupttreiber für die Entwaldung. Die nicht nachhaltige Produktion von Palmöl ist mit vielen negativen Folgen verbunden und dadurch ein Fluch für den Regenwald. Palmölplantagen binden weniger CO2 als der Regenwald und oft werden für ihre Anlage Torfböden entwässert und umgewandelt und auch der Herstellungsprozess von Palmöl verursacht klimaschädliche Emissionen.

Es ist 5 vor 12! Noch haben wir die Möglichkeit, dem Klimawandel, dessen Auswirkungen längst zu spüren sind, die Stirn zu bieten. Oberstes Ziel ist die sofortige und drastische Reduzierung der weltweiten CO2 Emissionen. Ein wichtiger Faktor, der dazu beitragen kann und muss, ist: keine Anlage von Palmölplantagen auf Waldflächen und schon gar nicht auf Torfböden! Denn dadurch werden enorme Mengen an klimaschädlichem CO2 in die Atmosphäre getragen.

OroVerde Bereichsleiterin Dr. Elke Mannigel

Doch nicht nur das Klima leidet: Auch Pflanzen, Tiere und Menschen verlieren durch die Anlage von Palmölplantagen ihren Lebensraum. Große Monokulturen lassen keinen Platz für Artenvielfalt und Biodiversität. Orang-Utan und Sumatra-Tiger gelten inzwischen beide als akut vom Aussterben bedroht - und ihr Lebensraum verkleinert sich weiter. Auch die ansässige Bevölkerung wird verdrängt oder findet auf den Plantagen saisonale Arbeitsplätze unter schlechten Arbeitsbedingungen.

Die Produktion von Palmöl ist gleich dreifach klimaschädlich!

Die Anbaufläche für Palmölplantagen stammt nur zum Teil aus ungenutzte Brach- und Weideflächen. In den meisten Fällen werden die Plantagen auf ehemaligen Regenwaldflächen angelegt. Das führt gleich zu mehreren Problemen.

  1. Palmölplantagen binden nicht einmal die Hälfte des Kohlenstoffes, der durch eine vergleichbare Fläche tropischen Regenwaldes gespeichert wird. Wenn tropischer Regenwald für Palmölplantagen abgeholzt – oder schlimmer noch – abgebrannt wird, werden also große Mengen CO2 in die Atmosphäre entlassen. Nach den USA und China, gilt Indonesien deshalb als drittgrößter Klimasünder weltweit.
  2. Noch mehr Kohlenstoff wird freigesetzt, wenn die Torfböden Südostasiens für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert werden. Moore sind die Kohlenstoff-Speicher schlechthin. Sie machen nur 3 Prozent der weltweiten Landfläche aus, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoff wie in der Biomasse aller Wälder der Erde enthalten ist. Wird für die landwirtschaftliche Nutzung der Grundwasserspiegel abgesenkt und gelangt Sauerstoff an den im Torf gespeicherten Kohlenstoff, so entweichen dabei sehr große Mengen CO2 in unsere Atmosphäre. 
  3. Darüber hinaus entstehen bei sämtlichen Produktionsschritten des Palmöls klimaschädliche Emissionen, von der Herstellung des Düngers für die Palmen bis zum Transport und der Verarbeitung der Früchte in den Ölmühlen. Und zwar gar nicht so wenig: Bei der Herstellung einer Tonne rohen Palmöls einer bereits bestehenden Plantage wird so viel CO2 produziert wie bei der Verbrennung von 370 Litern Benzin. 

Ziehen wir also einen Strich unter die Rechnung: Die Klimabilanz von Palmöl steckt eindeutig in den Miesen!

Palmölplantagen verursachen Landnutzungskonflikte

Der massive Palmölanbau ist nicht nur klimaschädlich, sondern es kommt dadurch auch zu Landnutzungskonflikten. Die Fläche für die Produktion von Palmöl steht häufig in direkter Konkurrenz mit Flächen für den Lebensmittelanbau oder dem industriellen Anbau weiterer Export-Agrarprodukte wie Zellstoff/Holz oder Kautschuk. Werden die landwirtschaftlichen Flächen für den Anbau von Ölpalmen genutzt, fehlt Fläche für den Anbau von anderen Produkten. Es wird demnach mehr Anbaufläche gebraucht als vorhanden ist. Dies führt dazu, dass immer mehr Regenwald abgeholzt wird. Es wird hier von einer indirekten Landnutzungsänderung gesprochen. Die damit einhergehenden ;Auswirkungen wie etwa die Freisetzung von Treibhausgasen, Bodenerosion und Biodiversitätsverlust werden verstärkt.

Welche Auswirkungen haben Palmölplantagen auf Tiere und Pflanzen?

Wird für gigantische Ölpalmen-Plantagen Tropenwald gerodet, leidet die Artenvielfalt. Nicht nur der Orang-Utan verliert seinen Lebensraum, sondern auch viele andere Tiere und Pflanzen, denn die wenigsten können auch auf Palmölplantagen überleben. Nur 23 Prozent der Wirbeltierarten (Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische) und 31 Prozent der wirbellosen Tierarten, die im Wald leben, finden auch auf Palmölplantagen einen Lebensraum.

Ähnliches gilt für Pflanzen: In Palmöl-Monokulturen wachsen nur wenige Pflanzen, die normalerweise in Tropenwäldern vorkommen. Außerdem handelt es sich bei diesen Arten eher um die Generalisten und nicht um die bedrohten Tropenwaldarten. Die fortschreitende Entwaldung für das enorme Wachstum von Palmölplantagen beziehungsweise die Palmölproduktion insgesamt wirkt sich nicht nur negativ auf die biologische Vielfalt aus, sondern auch auf die Menschen.

Palmölplantagen haben negative Folgen für die lokale Bevölkerung

Die Anlage von Palmölplantagen wird von den Menschen vor Ort zum Teil bereits von Anfang an als Gefährdung ihrer Kultur und Lebensgrundlage eingeschätzt. Für andere ist sie jedoch auch mit großen Hoffnungen auf ein gesichertes Einkommen und eine verbesserte Lebensqualität verbunden. Es hat sich jedoch gezeigt, dass diese Hoffnungen in der Regel unerfüllt beiben.

Palmölplantagen verschärfen soziale Probleme in Indonesien

Am Beispiel Indonesien werden die sozialen Probleme deutlich, die durch die Produktion von Palmöl ausgelöst werden. Die Eigentums- und Nutzungsrechte für viele Landflächen, die der indonesische Staat für die Anlage von Plantagen freigibt, sind ungeklärt. Das traditionelle Gewohnheitsrecht der lokalen, zum Großteil indigenen Bevölkerung wird vom Staat nicht anerkannt. Häufig kommt es daher zu Konflikten und zu Vertreibungen der ansässigen Landbevölkerung. Das Argument neu geschaffener Arbeitsplätze erweist sich bei genauerer Betrachtung ebenfalls als schwach.

Viele dieser Arbeitsplätze sind nur saisonal und die Löhne gering, so dass die Familien nicht über das ganze Jahr abgesichert sind. Zudem sind die Arbeitsbedingungen gefährlich: körperlich schwere Arbeit und hoher Pestizideinsatz ohne adäquate Schutzkleidung verursachen Verletzungen und Krankheiten. Gesundheitliche Risiken für mehrere Millionen Menschen entstehen darüber hinaus durch großflächige Waldbrände, die auch durch Brandrodung und Trockenlegung der Torfböden für die Palmölplantagen hervorgerufen werden.

Guatemala: Einheimische müssen für Plantagen in die Berge abwandern

Auch Guatemala erlebte in den letzten 15 bis 20 Jahren ein enormes Wachstum der Palmölplantagen. So auch rund um das OroVerde-Projektgebiet am Izabal-See. Dort hat die Nachfrage nach Land für die Palmölplantagen dazu geführt, dass die lokale Bevölkerung aus den flachen Gegenden in die Berge vertrieben wurde. Wo sie früher ihre Felder für die Selbstversorgung bestellten, fahren nun LKWs durch die kilometerlangen schnurgeraden Reihen von Ölpalmen.

Die Menschen mussten ihre Häuser und Felder teilweise hoch oben in den Bergen neu anlegen, wo die Infrastruktur und Grundversorgung sehr schlecht ist. Die Böden sind weniger fruchtbar als im Flachland und durch die Hanglage stark erosionsgefährdet. Aus diesen Gründen hat sich die Versorgung mit Nahrungsmitteln so sehr verschlechtert, dass es sogar zu Fällen von starker Unterernährung kommt – vor allem bei Kindern.

Der Zugang zu Trinkwasser ist begrenzt und durch die extreme Abgeschiedenheit der Gemeinden und die schlechten Zufahrtswege sind auch eine medizinische Versorgung und schulische Infrastruktur kaum vorhanden. Einige Bewohner haben in den Plantagen Arbeit gefunden, allerdings unter schwierigen Bedingungen.

Die Gefahren für die lokale Bevölkerung sind durch den Klimawandel noch größer geworden - zum Beispiel durch Erdrutsche nach Starkregenereignissen. Die Projekte von OroVerde bestehen daher aus einem ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die sozialen als auch die klimatischen Änderungen im Blick hat.

Die wichtigsten Schritte dabei sind:

  • Wiederaufforstungen 
  • Unterstützung der lokalen Bevölkerung
  • Verbesserung der Ernährungssituation mit ökologischen Hausgärten
  • Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit
  • Reduzierung der negativen Auswirkungen von Naturkatastrophen

Wie können wir das Palmöl-Dilemma lösen?

Der Weg aus der Palmölproblematik ist weit und erfordert ein Umdenken auf vielen Ebenen. Bisher erfolgt nur ein kleiner Teil der weltweiten Palmölproduktion in nachhaltigem und ökologischem Anbau. Wir brauchen mehr Bio-Palmöl, denn nur so kann der Regenwald mit seiner einzigartigen Artenvielfalt geschützt werden. Dazu kann jeder etwas beitragen und mit 8 praktischen Tipps Palmöl vermeiden. Aber mindestens genauso ist die Politik gefragt, um klare Regeln für eine nachhaltige Palmölproduktion zu schaffen. Ohne die Politik und die Hersteller von Palmöl und Palmölprodukten mit ins Boot zu holen, haben Verbraucher und Umweltschutzorganisationen, die sich für nachhaltige Anbau- und Produktionsbedingungen engagieren, nur einen begrenzten Spielraum. Es ist Zeit zu handeln: Für den Schutz des Klimas, den Erhalt tropischer Regenwälder und der Biodiversität sowie für das Wohl der lokalen Bevölkerung!

 

Werden Sie aktiv für Regenwald- & Klimaschutz:
  • Ernährung: Kochen Sie möglichst selbst, denn dabei kommt in der Regel weniger Öl zum Einsatz als in Fertiggerichten. Sie möchten sich gesund ernähren? Dann ist ein Verzicht auf Palmöl umso besser, denn es enthält viele gesättigte Fettsäuren. Achten Sie außerdem auf Bio-Siegel.
  • Einkaufen: Lebensmittel, die Palmöl enthalten, sind seit Dezember 2014 auch mit diesem Inhalt ausgewiesen. Nur in Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln verbirgt sich Palmöl hinter zahlreichen chemischen Fachbegriffen. Palmölfreie Alternativen können Sie über das Internet finden. Außerdem können entsprechende Smartphone Apps helfen. Sie scannen den Barcode eines Produktes und erhalten eine Übersicht über die Inhaltsstoffe.
  • Mobilität: Palmöl in Form von Biodiesel gehört nicht in den Tank! Gönnen Sie dem Auto eine Pause und sparen Sie den wertvollen Rohstoff.
  • Veränderung im System: Fordern Sie Hersteller und Einzelhandel auf, eine ökologische, nachhaltige Palmölproduktion zu garantieren. Und fordern Sie von der Politik, nachhaltiges Verhalten zu honorieren.

Gibt es nachhaltiges Palmöl?

Auf dem Markt existieren verschiedene Zertifizierungssysteme für nachhaltig angebautes Palmöl. So zum Beispiel der Mindeststandard des sogenannten Round Table for Sustainable Palmoil (RSPO), dem weltweit meistgenutzten Zertifizierungssystem für Palmöl. Dieser wurde 2004 gegründet und vereint auf freiwilliger Basis weltweit die Akteure aus der gesamten Palmöl-Wertschöpfungskette sowie NGOs aus dem Umweltschutz und sozialen Bereich. Sein Ziel ist es, die Nachhaltigkeit im Palmölanbau voranzutreiben. Das ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, doch das Zertifikat ist noch lange nicht ausgereift und gewährleistet keinen wirklich nachhaltigen Anbau. Denn auch das RSPO-zertifizierte Öl wird unter Bedingungen angebaut, die Bodenqualität und Biodiversität beeinträchtigen und die Entwaldung nicht gänzlich ausschließen. 

OroVerde-Bewertung des RSPO-Standards

Für die RSPO-Zertifizierung darf zwar seit 2018 keine Umwandlung mehr von Naturwald in Plantagen stattfinden und die Nutzung von Torfböden ist untersagt, aber dennoch sind schützenswerte Sekundärwälder unter dem geltendem Standard von der Abholzung bedroht.

Da kein ökologischer Anbau stattfindet, können auf den Palmölplantagen weiterhin hochtoxische Agrochemikalien genutzt werden. Außerdem muss die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsschutzrechten durch einen optimierten Kontrollprozess sichergestellt werden und die Schwachstellen im Zertifizierungsprozess müssen verbessert werden. Erfahren Sie mehr in OroVerdes Stellungnahme zum RSPO.

Um Palmöl wirklich nachhaltig anzubauen, wäre ein ökologischer Anbau wichtig, erkennbar am „EG-Bio-Siegel“ oder am Zusatz „aus kontrolliert biologischen Anbau“. Im Bioanbau ist die Verwendung von Mineraldünger und chemischen Pestiziden verboten. Das wirkt sich positiv auf die Umwelt und die Gesundheit der Arbeiter*innen auf den Palmölplantagen aus. Doch Palmöl in Bio-Qualität wird derzeit nur in wenigen Ländern und auf einem Bruchteil der weltweiten Produktionsflächen angebaut z. B. in Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Ghana und Sierra Leone. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wieder: nur 13.400 t Bio-Palm(kern)öl wurden 2019 nach Deutschland importiert, das ist nur knapp ein Prozent des jährlichen Palmölverbrauchs. Das Bio-Palmöl wird hauptsächlich für Lebensmittel verwendet, kommt aber auch in Naturkosmetik und natürlichen Reingungsmitteln zur Verwendung.

Um eine Entwicklung hin zu mehr fair produziertem Bio-Palmöl zu fördern, wurde 2016 die Legauer Erklärung erstellt. Diese resultiert aus den Beiträgen und Diskussionen von und mit Teilnehmern aus Wissenschaft, Handel und Verarbeitung, Nichtregierungsorganisationen, Konsumenten und Medienvertretern anlässlich des Palmöl-Forums bei Rapunzel Naturkost in Legau im Allgäu.

Entwaldungsfreie Lieferketten für Palmöl

Eine positive Zukunftsperspektive für die Herstellung von Palmöl bietet der Gesetzesvorschlag für entwaldungsfreie Lieferketten, der derzeit in der EU-Kommission diskutiert wird. Durch das Gesetz werden die politischen Rahmenbedingungen für weniger Regenwaldzerstörung geschaffen. Denn dann müssen Händler und Unternehmen vorab sicherstellen, dass Produkte und Rohstoffe, die, wie Palmöl oft aus waldkritischem Anbau kommen, in der gesamten Lieferkette entwaldungsfrei produziert wurden. Ein viel stärkerer und verbindlicherer Effekt, als eine freiwillige Zertifizierung! Der Vorschlag wird nun vom EU-Parlament und den Minister*innen der EU-Mitgliedsländer diskutiert und vermutlich 2023 verabschiedet. Wir von OroVerde unterstützen die Initiative und fordern gleichzeitig eine strenge Umsetzung mit transparenter Berichterstattung und entsprechenden Sanktionen, um dem zukünftigen Gesetz auch den nötigen Nachdruck zu verleihen.

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  • In der Legauer-Erklärung benennt ein Zusammenschluss aus sechs Umwelt-Organisationen und OroVerde konkrete Forderungen und Ziele in Bezug auf die Palmölproblematik.
  • Helfen Sie durch bewussten Konsum wertvolle Regenwälder zu schützen! Weitere Verbrauchertipps gibt es hier.
  • Wie sieht Regenwaldschutz in den OroVerde-Projektgebieten aus? Machen Sie mit uns einen Abstecher direkt in den Regenwald.
Noch Fragen zu Palmöl?

Dr. Elke Mannigel
Bereichsleiterin Internationale Projekte
Telefon: 0228 24290-12
E-Mail: emannigel@oroverde.de

Fotonachweis: OroVerde (Titelbild - Palmölplantage Luftaufnahme, Palmölverbrauch in Deutschland 2019, lokale Bevölkerung Guatemala,), K. Wothe (Fruchtbündel Ölpalme, Luftbild Plantage, Regenwald, Orang-Utans, Brandrodung Indonesien, Orang-Utan Spendenbutton), E. Mannigel (Fruchtstand der Ölpalme, Plantagenarbeiter), iStock.com/Prostock-Studio (Frau im Supermarkt Button), A. Hömberg (Frucht der Ölpalme, Palmölernte, Palmölfabrik), T. Hoppe (Palmölplantage Guatemala), Özi`s Comix Studio (Kohlenstoff im Regenwald, Brandrodung und Entwässerung), S. Lauffer (RSPO-Siegel)