Palmölplantage

Palmöl

Warum es weltweit so häufig genutzt

Jedes zweite Produkt in unseren Supermärkten enthält Palmöl. Palmöl wird dem Kraftstoff als Biodiesel beigemischt und in der Chemie- und Pharmaindustrie verwendet. Doch was nur wenige wissen: Mit dem Kauf dieser auf Palmöl basierenden Produkte verschärfen wir die Bedrohung für die letzten tropischen Regenwälder. Die dort beheimateten Arten wie Orang-Utan, Sumatra-Tiger und Paradiesvogel verlieren ihren Lebensraum. Orang-Utan und Sumatra-Tiger gelten inzwischen beide als akut vom Aussterben bedroht.

Schon gewusst?
  • Das geschmacksneutrale, bei Zimmertemperatur feste und bei Körpertemperatur flüssige Palmöl ist das weltweit am häufigsten genutzte Pflanzenöl.
  • Die weltweite Anbaufläche von Ölpalmen im Jahr 2014  würde zusammengenommen die Hälfte Deutschlands bedecken.
  • Malaysia und Indonesien produzieren 86 % der weltweiten Palmölmenge.
  • In Deutschland werden jährlich 1760 Schwimmbäder voll Palmöl verbraucht.

Für die Anlage neuer Palmölplantagen wird tropischer Regenwald in einem enormen Ausmaß gerodet. Bis zu 90 % der auf Satellitenaufnahmen aus dem Jahr 2007 als entwaldet erkennbaren Flächen Borneos wurden 2015 als Plantagen für die Produktion von Palmöl und Zellstoff genutzt. Die Palmölproduktion gilt heute als Hauptursache für die Zerstörung der tropischen Regenwälder Asiens.

Manche Menschen würden Palmöl am liebsten komplett vom Markt verbannen - aber wäre das aus ökologischer Sicht überhaupt sinnvoll? OroVerde gibt Tipps für den Alltag und beantwortet Fragen. Eine lautet: Wieso ist Palmöl eigentlich so beliebt und gibt es gute Alternativen? Unternehmen, die ihren Produkten Palmöl aus nicht nachhaltiger Produktion beimischen, aber auch ahnungslose Verbraucher, verstärken die Palmöl-Problematik. So verwenden viele täglich ganz nebenbei Palmöl – sei es in Fertigprodukten, Waschmittel, Pflegeprodukten oder als Tankfüllung. Was können Sie tun? OroVerde informiert Sie, damit Sie Ihre Einkaufsgewohnheiten überdenken können! So haben Sie die Möglichkeit, einen wichtigen Beitrag zum Regenwald- und Klimaschutz zu leisten.

Fragen & Antworten zu Palmöl

Wo ist Palmöl drin?

Etwa 60 % des in die EU importierten Palmöls werden in der chemischen sowie in der Lebensmittelindustrie verwendet. Die übrigen 40 % der importierten Menge werden als Biodiesel in unseren Tanks verbraucht oder in Kraftwerken energetisch genutzt.

Lebensmittel: 
In Deutschland hatte Palmöl 2013 mit knapp 1,5 Mio. Tonnen einen Anteil von rund 20 % am gesamten Pflanzenölverbrauch. Jeder von uns verbraucht im Durchschnitt umgerechnet 19 kg Palmöl pro Jahr.  Ein knappes Viertel der Gesamtmenge verbraucht die Lebensmittelindustrie, vor allem für Fertiggerichte, Margarine, Brotaufstriche sowie Back- und Süßwaren.

Biodiesel - Palmöl im Tank: 
Rund die Hälfte des Palmöls wird in Deutschland energetisch genutzt, und davon landen über 90 % in Kraftstoffen. Durch die 2009 erlassene "Erneuerbare-Energien-Richtlinie" der EU,  die einen bestimmten Anteil an Biokraftstoffen als Bestandteil von Benzin und Diesel vorsieht, ist der Palmölanteil im europäischen Biodiesel von 8 % in 2006 auf aktuell 20-25 % angestiegen. Der überwiegende Bestandteil ist Rapsöl, ein weiterer geringerer Teil (ca. 13 %) ist Sojaöl. In jedem Liter Diesel, den wir tanken, steckt also ein Stück Tropenwald. Die Idee, Diesel durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe klimafreundlicher zu machen, ist leider nach hinten losgegangen. Der Teufel wurde mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Wieso ist Palmöl so beliebt?

Das weltweit am häufigsten genutzte Öl ist bei Produzenten hauptsächlich aus zwei Gründen so beliebt: Zum einen erbringt die Ölpalme von allen Öl-liefernden Pflanzen mit durchschnittlich 3,4 t Öl pro Hektar Fläche den höchsten Ertrag. Zum Vergleich: Soja hat im Schnitt einen Ertrag von 0,36 t Öl pro Hektar und Raps von 0,68 t Öl pro Hektar.  Mit der Produktion von Palmöl sowie dessen Einsatz in Biodiesel und unterschiedlichsten Produkten lässt sich also mehr Geld verdienen als mit anderen Ölen. Zum anderen ist Palmöl aufgrund seiner Eigenschaften sehr vielfältig einsetzbar.

OroVerde-Expertin

„In Europa ist die Nachfrage von Palmöl für Biodiesel deutlich gestiegen. Nach der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der Europäischen Kommission müssen die Energieträger für Biotreibstoff nachhaltig produziert sein, sonst dürfen sie weder staatlich gefördert noch auf die nationalen Erneuerbare-Energien-Ziele angerechnet werden. Das führt zu einer erhöhten Nachfrage nach nachhaltig zertifiziertem  Palmöl. Jedoch ist ein ‚nachhaltiger‘ Anbau nicht immer mit einem ‚ökologischen‘ Anbau gleichzusetzen. Das ist ein Grund, weshalb vielen Naturschutzorganisationen, darunter auch OroVerde, die Mindeststandards des sogenannten RSPO (= Round Table for Sustainable Palmoil) nicht weit genug gehen“, so Dr. Elke Mannigel, Teamleitung Internationale Projekte bei OroVerde. Lesen Sie OroVerdes ausführliche Stellungnahme zum RSPO als PDF-Dokument.


Warum ist Palmöl schlecht?

Grundsätzlich ist die Idee, einen ertragreichen nachwachsenden Rohstoff als Energieträger (Biodiesel) und für Lebensmittel zu verwenden, gut. Das Problem liegt jedoch in der Art des Anbaus, der unterschiedliche Schäden verursacht. Darunter leiden die Menschen vor Ort, das Klima und die Artenvielfalt! Zwar existieren verschiedene Zertifizierungssysteme für nachhaltig angebautes Palmöl; diese sind jedoch noch lange nicht ausgereift. Denn das zertifizierte Palmöl wird immer noch unter Bedingungen angebaut, die die Bodenqualität und die Biodiversität beeinträchtigen und die Entwaldung nicht gänzlich ausschließen. Ideal wäre der Anbau in Bio-Qualität. Doch Palmöl in Bio-Qualität wird derzeit gerade einmal auf 0,02 % der weltweiten Produktionsfläche angebaut. 
 


Wo wird Palmöl angebaut?

In Indonesien gibt es die meisten Ölpalmplantagen: 2014 wurden hier auf einer Fläche von 7,4 Mio. Hektar 33 Mio. Tonnen Öl produziert. Malaysia folgte auf Platz zwei der Weltrangliste mit 19,8 Mio. Tonnen. Damit entfallen 86 % der weltweiten Palmölproduktion auf diese beiden Länder. Weitere wichtige Anbaugebiete für Palmöl finden sich in Afrika und Lateinamerika. Durch die stetig wachsende Nachfrage nach Palmöl haben sich die globalen Anbauflächen in den vergangenen 30 Jahren auf heute 18,7 Mio. Hektar vervierfacht. Das entspricht in etwa der halben Fläche Deutschlands. Zumeist sind die Anbauflächen für Palmöl auch ehemalige Regenwaldflächen.


Warum gibt es Palmölplantagen im Regenwald?

Ursprünglich stammt die Ölpalme (Elaeis Guineensis) aus Westafrika. Heute ist sie in allen tropischen Regionen der Erde zu finden, besonders in Südamerika und in Südostasien. Die Ölpalme ist sehr wärmeliebend und gedeiht am besten bei Temperaturen zwischen 24 und 28 Grad. Außerdem benötigt sie einen monatlichen Niederschlag von mindestens 100 mm/ m² und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 70 %.


Was kann man gegen die Palmöl-Problematik tun?

Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Deshalb haben gerade Sie als Verbraucher die Möglichkeit durch Ihr Konsumverhalten einen Beitrag zu leisten: für den Schutz des Klimas, den Erhalt tropischer Regenwälder und der Biodiversität sowie für das Wohl der lokalen Bevölkerung!

Werden Sie aktiv!

Ernährung: Kochen Sie möglichst selbst (am besten regional und bio) und kaufen Sie Produkte mit biozertifiziertem Palmöl.
Mobilität: Palmöl gehört nicht in den Tank! Gönnen Sie dem Auto eine Pause und unterstützen Sie politische Arbeit gegen die Verwendung von Palmöl in Kraftstoffen.
Veränderung im System: Fordern Sie Hersteller und Einzelhandel auf, eine ökologische, nachhaltige Palmölproduktion zu garantieren.

Schon gewusst?

Guatemala verzeichnete in den letzten Jahren ein starkes Wachstum von Palmölplantagen. Betroffen sind auch Gebiete rund um den Izabal-See, eine Region, in der OroVerde Regenwaldschutzprojekte betreut. OroVerde unterstützt mit Projekten zur Aufforstung und Verbesserung der Ernährungssituation die lokale Bevölkerung, die wegen der Palmölplantagen in die Berge ausweichen musste.
Helfen auch Sie mit Ihrer Spende.

Projektförderung

Das Erstellen der Online-Verbrauchertipps wird gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL aus Mitteln des BMZ.

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Fotonachweis: K. Wothe (Brandrodung)

Noch Fragen zu Palmöl?

Dr. Elke Mannigel
Teamleitung Internationale Projekte
Telefon: 0228 24290-12
E-Mail: emannigel@oroverde.de