Biodiesel ©OroVerde

Palmöl in Biodiesel

Regenwald im Tank

Eigentlich war die Idee, Biodiesel zu schaffen, gar nicht schlecht: Die Verbrennung fossiler Energieträger wie Erdöl belastet unser Klima. Zudem gehen die natürlichen Vorräte irgendwann zur Neige. Biokraftstoffe hingegen wachsen nach. Doch sind sie per se auch nachhaltig? Schaut man genau hin, wird klar, dass die Rechnung bei Palmöl nicht aufgeht – im Gegenteil.

Schon gewusst?
  • Es kann bis zu 690 Jahre dauern, bis Palmölplantagen, für die Regenwald auf Torfböden gerodet wurde, Kohlenstoffdioxid (CO2) einsparen.
  • Etwa 1/4 des Biodiesels besteht in Deutschland aktuell aus Palmöl. 
  • Der CO2-Ausstoß, der mit der Flächenumwandlung für die Ölpalmen-Plantage einhergeht, lässt die Klimabilanz von Palmöl ins Negative ausschlagen. 
  • Im Rahmen der sogenannten „Erneuerbare-Energien-Richtlinie“ der EU wurde ein bestimmter Anteil von Biokraftstoffen im erdölbasiertem Diesel für Biodiesel festgelegt – jedoch ohne die Folgen des massiven Ölpamenanbaus für das Klima ausreichend zu beachten. 

Die Herstellung von Palmöl ist gleich dreifach klimaschädlich. Grafiken veranschaulichen das Problem. Beim Thema „Biodiesel“ lohnt es sich daher genauer hinzuschauen. OroVerde hat sich Gedanken zur Klimabilanz von Palmöl in Biodiesel gemacht. So aussichtslos die Situation auch aussehen mag: Sie als Verbraucher können im Alltag zu einer positiven Entwicklung und zum Schutz der Regenwälder beitragen! Fangen Sie heute schon damit an.

Fragen & Antworten zu "Biodiesel"

Warum wird Palmöl für Biodiesel verwendet?

Die europäische Kommission führte 2009 die „Erneuerbare-Energien-Richtlinie“ im Verkehrssektor ein, um klimaschädliche CO2-Emissionen aus der Nutzung von fossilem Brennstoff zu verringern. Der Diesel erhält dazu einen Anteil von Biodiesel, unter anderem aus Palmöl, als Beimischung. Die Richtlinie schuf dadurch einen neuen Absatzmarkt für Palmöl als Energieträger. Im Rahmen der Richtlinie müssen die Energieträger für den Biotreibstoff nachhaltig produziert sein, sonst dürfen sie weder staatlich gefördert noch auf die nationalen Erneuerbare-Energien-Ziele angerechnet werden. Das führt zu einer erhöhten Nachfrage nach nachhaltig zertifiziertem Palmöl.

Quellen

Wie viel Palmöl steckt in Biodiesel?

Aktuell beläuft sich der Prozentsatz des Palmölanteils im europäischen Biodiesel auf ca. 20 bis 25 Prozent. Ein Tankstellen-Stichprobentest, den Greenpeace Deutschland im Juni 2013 durchführte, zeigte einen durchschnittlichen Palmölanteil an der Beimischung von etwa 25 Prozent. Im Jahr 2006 lag der Prozentsatz noch bei 8 Prozent.

Schon gewusst?

Im Rahmen der „Erneuerbare-Energien-Richtlinie “ aus dem Jahr 2009 wird Biokraftstoff – zu aktuell 6,25% - dem erdölbasierten Kraftstoff für den Verkehrssektor beigemischt. Unter dem Begriff Biokraftstoff werden Kraftstoffe unterschiedlichen pflanzlichen Ursprungs zusammengefasst. Neben Bioethanol und reinem Pflanzenöl macht Biodiesel mit einem Anteil von knapp 80% den Großteil der Biokraftstoffe aus.


Wie sieht die Klimabilanz von Biodiesel aus?

Gegenüber erdölbasiertem Diesel hat Biodiesel pro Tonne Diesel eine CO2-Einsparung von etwa  2,3 t CO2. Allerdings nur, wenn man bei der Rechnung den CO2-Ausstoß, der mit der Flächenumwandlung für die Palmöl-Plantage einhergeht, nicht mit einrechnet. Doch gerade dieser ist der ausschlaggebende Faktor für die Klimabilanz von Biodiesel aus Palmöl:

  • Ist eine Palmölplantage auf Grasland oder einer Brachfläche angelegt, stellt sich bereits nach wenigen Jahren eine positive Klimabilanz ein. Die wachsenden Ölpalmen entwickeln mehr Biomasse, als das Grasland zuvor hatte. 
  •  Entsteht die Plantage hingegen auf einer Regenwald-Fläche, die dafür abgeholzt wurde, so dauert es rund 75 Jahre, bis das dort gewonnene Palmöl als Biodiesel einen positiven Klimaeffekt hat. 
  • Bei Brandrodung des Waldes dauert es sogar bis zu 90 Jahre. Erst dann werden die Emissionen aus der Abholzung und dem Verbrennen des Primärwalds durch die Einsparungen bei der Nutzung ausgeglichen. Da die Palmölplantage wesentlich weniger CO2 bindet als der Regenwald und diese auch regelmäßig erneuert wird, trägt das Wachstum der Palmen nur einen kleineren Teil zu dem Ausgleich bei. 
  • Noch viel länger dauert es, bis die Klimabilanz neutral ausfällt, wenn für die Plantagen Regenwälder auf Torfböden gerodet werden. Durch die jahrzehntelange Entwässerung der Torfböden, die große Mengen an CO2 gespeichert haben, entweicht ständig neues CO2 in die Atmosphäre. Bis es unter diesen Umständen zu einer Einsparung von CO2 kommt, würden Berechnungen zufolge rund 690 Jahre vergehen. Denn den 66 Tonnen CO2, die durchschnittlich jährlich aus einem Hektar entwässertem Torfboden entweichen, stehen nur 7,4 Tonnen CO2  gegenüber, die in der Herstellung von Palmdiesel im Vergleich zu erdölbasiertem Diesel pro Hektar und Jahr eingespart werden können. 

Angesichts der akuten Notwendigkeit die weltweiten CO2-Emissionen ab sofort drastisch zu reduzieren, ist es daher umso wichtiger keine Palmölplantagen auf Waldflächen und Torfböden anzulegen.
 

Schon gewusst?

Die Produktion von Palmöl ist gleich dreifach klimaschädlich!

  • Eine Palmölplantage bindet noch nicht einmal die Hälfte des Kohlenstoffes, die durch eine vergleichbare Fläche tropischen Regenwaldes gespeichert wird. Wenn tropischer Regenwald für Palmölplantagen abgeholzt – oder schlimmer noch – abgebrannt wird, werden also große Mengen CO2 in die Atmosphäre entlassen. Nach den USA und China, gilt Indonesien deshalb als drittgrößter Klimasünder weltweit.
  • Noch mehr Kohlenstoff wird freigesetzt, wenn die Torfböden Südostasiens für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert werden. Moore sind die Kohlenstoff-Speicher schlechthin. Sie machen nur 3 Prozent der weltweiten Landfläche aus, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoff wie in der Biomasse aller Wälder der Erde enthalten ist. Wird für die landwirtschaftliche Nutzung der Grundwasserspiegel abgesenkt und gelangt Sauerstoff an den im Torf gespeicherten Kohlenstoff, so entweichen dabei sehr große Mengen CO2 in unsere Atmosphäre. 
  • Darüber hinaus entstehen bei sämtlichen Produktionsschritten des Palmöls klimaschädliche Emissionen, von der Herstellung des Düngers für die Palmen bis zum Transport und der Verarbeitung der Früchte in den Ölmühlen. Und zwar gar nicht so wenig: Bei der Herstellung einer Tonne rohen Palmöls einer bereits bestehenden Plantage wird so viel CO2 produziert wie bei der Verbrennung von 370 Liter Benzin. 

Ziehen wir also einen Strich unter die Rechnung: Die Klimabilanz von Palmöl steckt eindeutig in den Miesen!

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„Es ist 5 vor 12! Noch haben wir die Möglichkeit, dem Klimawandel, dessen Auswirkungen längst zu spüren sind, die Stirn zu bieten. Oberstes Ziel ist die sofortige und drastische Reduzierung der weltweiten CO2 Emissionen. Ein wichtiger Faktor, der dazu beitragen kann und muss, ist: keine Anlage von Palmölplantagen auf Waldflächen und schon gar nicht auf Torfböden! Denn dadurch werden enorme Mengen an klimaschädlichem CO2 in die Atmosphäre gegeben,“ betont Dr. Elke Mannigel, Teamleitung Internationale Projekte bei OroVerde.


Wie kann ich als Verbraucher zu einer positiven Entwicklung beitragen?

Anders als in anderen Ländern der Welt wird momentan in Deutschland das meiste Palmöl als Bestandteil des Biodiesels im Straßenverkehr verbraucht. Das stellt einen weiteren wichtigen Einsparbereich dar: Geben Sie häufiger dem Fahrrad oder Bus und Bahn  den Vorzug. Gönnen Sie Ihrem Auto eine Pause. Auch Mitfahrbörsen im Internet stellen eine kostengünstige Alternative dar. Darüber hinaus haben wir von OroVerde weitere hilfreiche Alltagstipps rund um das Thema Palmöl für Sie zusammengestellt!

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Noch Fragen zu Palmöl?

Dr. Elke Mannigel
Teamleitung Internationale Projekte
Telefon: 0228 24290-12
E-Mail: emannigel@oroverde.de