Palmölplantage mit Arbeitskräften. ©OroVerde/Elke Mannigel

Palmölplantagen und das Klima

Folgen für Regenwald, Umwelt und Menschen

Für die Anlage neuer Palmölplantagen wird tropischer Regenwald in einem enormen Ausmaß gerodet. Bis zu 90 % der auf Satellitenaufnahmen aus dem Jahr 2007 als entwaldet erkennbaren Flächen Borneos wurden 2015 als Plantagen für die Produktion von Palmöl und Zellstoff genutzt. Die Palmölproduktion gilt heute als Hauptursache für die Zerstörung der tropischen Regenwälder Asiens. Denn für sie wird Regenwald abgeholzt, um Ölpalmenplantagen anzulegen. Auch die Bevölkerung in den Anbaugebieten ist direkt von negativen Auswirkungen betroffen. Klar ist: Es muss sich von Grund auf etwas ändern! So haben sich zwar verschiedene erste Initiativen gebildet, bis zu einer deutlichen Verbesserung ist es aber wahrscheinlich noch ein langer Weg.  

Fakten zu Palmölplantagen

  • Die fortschreitende Entwaldung beziehungsweise Abholzung für Plantagen zur Palmölproduktion führt zu Verlust der biologischen Vielfalt und beschleunigt den Klimawandel.
  • Indonesien gilt durch die (Brand-)Rodungen von Tropenwald für Palmölplantagen als drittgrößter Klimasünder weltweit.
  • Beachtet man sämtliche Aspekte, wird bei der Herstellung einer Tonne rohen Palmöls so viel Kohlenstoffdioxid produziert, wie bei der Verbrennung von 370 Liter Benzin. 

Die Politik kann sich nicht länger auf dem Rücken von Nichtregierungsorganisationen und Vorreitern ausruhen, die ihr Bestes geben, um die „Symptome“ der massiven Palmölproduktion zu behandeln. Gerade deshalb ist auch das Handeln jedes Einzelnen gefragt!  Denn eine verringerte Nachfrage nach konventionell produziertem Palmöl, bedeutet gleichzeitig weniger Bedarf an riesigen Monokulturen aus Ölpalmen für die Palmölproduktion – und davon profitieren wir alle!

Warum gibt es Palmölplantagen im Regenwald?

Ursprünglich stammt die Ölpalme (Elaeis Guineensis) aus Westafrika. Heute ist sie in allen tropischen Regionen der Erde zu finden, besonders in Südamerika und in Südostasien. Die Ölpalme ist sehr wärmeliebend und gedeiht am besten bei Temperaturen zwischen 24 und 28 Grad Celsius. Außerdem benötigt sie einen monatlichen Niederschlag von mindestens 100 mm/ m² und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 70 %. Aus diesem Grund fühlen sich Ölpalmen in einer Klimaumgebung, in der Regenwald beheimatet ist, auch wohl.

Wo sind Palmölplantagen zu finden?

Die stetig wachsende Nachfrage nach Palmöl führt zu einem immer neuen Bedarf an Anbaufläche. Diese Anbaufläche stammt zum Teil aus ungenutzte Brach- und Weideflächen, aber in den Produzentenländern wird auch Tropenwald zur Anlage neuer Palmölplantagen gerodet. Es wird hier von einerindirekten Landnutzungsänderung gesprochen. Studien zeigen, dass die Palmölproduktion einer der Haupttreiber für die Zerstörung der tropischen Regenwälder ist. In Südostasien ist Palmöl neben der Holzgewinnung sogar der Haupttreiber für die Entwaldung.

Warum wird mehr Regenwald gerodet, als für Palmölplantagen benötigt wird?

Die Fläche für die Produktion von Palmöl steht häufig in direkter Konkurrenz mit Flächen für den Lebensmittel­anbau oder dem industriellen Anbau weiterer Export-Agrarprodukte wie Zellstoff/Holz oder Kautschuk. Werden die landwirtschaftlichen Flächen für den Anbau von Ölpalmen genutzt um Plantagen anzulegen, fehlt wiederum Fläche für den Anbau von anderen Produkten. Es wird demnach mehr Anbaufläche gebraucht als vorhanden ist. Zur Behebung des Mangels werden neue Flächen gesucht. Dies führt dazu, dass immer mehr Regenwald abgeholzt wird (indirekte Landnutzungsänderung) und die damit einhergehenden Auswirkungen wie etwa die Freisetzung von Treibhaus­gasen, Bodenerosion und Biodiversitätsverlust – verstärkt werden. 

Warum sind Palmölplantagen klimaschädlich?

  • Sie binden weniger Kohlenstoff, als andere Plantagenböden.
  • Noch mehr Kohlenstoff wird freigesetzt, wenn die Torfböden Südostasiens für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert werden.
  • Bei den Produktionsschritten des Palmöls entstehen klimaschädliche Emissionen.

Ausführlicher erläutert sind die Zusammenhänge im Bereich "Palmöl in Biodiesel".

Welche Auswirkungen haben Palmölplantagen auf Tiere?

Wird für gigantische Ölpalmen-Plantagen Tropenwald gerodet, leidet die Artenvielfalt. Nicht nur der Orang-Utan verliert seinen Lebensraum, sondern auch viele andere Tiere und Pflanzen. Nur 23 Prozent der Wirbeltierarten (Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische) und 31 Prozent der wirbellosen Tierarten, die im Wald leben, finden auch auf Palmölplantagen einen Lebensraum. Ähnliches gilt für Pflanzen: In Palmöl-Monokulturen wachsen nur wenige Pflanzen, die normalerweise in Tropenwäldern vorkommen. Die fortschreitende Entwaldung für das enorme Wachstum von Palmölplantagen beziehungsweise die Palmölproduktion insgesamt wirkt sich nicht nur negativ auf die biologische Vielfalt aus, sondern schadet auch der Erde und dem Klima.

Quellen

Wie beeinflussen Palmölplantagen das Leben der Menschen vor Ort?

Die Palmölproduktion hat soziale Folgen. Wie bei vielen Themen gibt es auch hier unterschiedliche Meinungen, ob diese gut oder weniger gut sind: Einerseits wird die Anlage von Palmölplantagen von den Menschen vor Ort zum Teil bereits von Anfang an als Gefährdung ihrer Kultur und Lebensgrundlage eingeschätzt, vor allem von der indigenen Bevölkerung. Für andere ist sie jedoch auch mit großen Hoffnungen auf ein gesichertes Einkommen und eine verbesserte Lebensqualität verbunden. Es hat sich jedoch gezeigt, dass diese Hoffnungen in der Regel unerfüllt beiben.

In Indonesien zeichnen sich deutliche Folgen ab

Am Beispiel Indonesien werden die sozialen Probleme deutlich, die durch die Produktion von Palmöl ausgelöst werden. Die Eigentums- und Nutzungsrechte für viele Landflächen, die der indonesische Staat für die Anlage von Plantagen freigibt, sind ungeklärt. Das traditionelle Gewohnheitsrecht der lokalen, zum Großteil indigenen Bevölkerung wird vom Staat nicht anerkannt. Häufig kommt es daher zu Konflikten und zu Vertreibungen der ansässigen Landbevölkerung. Das Argument neu geschaffener Arbeitsplätze erweist sich bei genauerer Betrachtung ebenfalls als schwach.

Viele dieser Arbeitsplätze sind nur saisonal und die Löhne gering, so dass die Familien nicht über das ganze Jahr abgesichert sind. Zudem sind die Arbeitsbedingungen gefährlich: körperlich schwere Arbeit und hoher Pestizideinsatz ohne adäquate Schutzkleidung verursachen Verletzungen und Krankheiten. Gesundheitliche Risiken für mehrere Millionen Menschen entstehen darüber hinaus durch großflächige Waldbrände, die auch durch Brandrodung und Trockenlegung der Torfböden für die Palmölplantagen hervorgerufen werden. 

In Guatemala müssen Einheimische in die Berge abwandern

Auch Guatemala erlebte in den letzten 10 bis 15 Jahren ein enormes Wachstum der Palmölplantagen. So auch rund um das OroVerde-Projektgebiet am Izabal-See. Dort hat die Nachfrage nach Land für die Palmölplantagen dazu geführt, dass die lokale Bevölkerung aus den flachen Gegenden in die Berge ausweichen musste. Dort, wo sie früher ihre Felder für die Selbstversorgung bestellten, fahren nun LKWs durch die kilometerlangen schnurgeraden Reihen von Ölpalmen.

Die Menschen mussten ihre Häuser und Felder teilweise hoch oben in den Bergen neu anlegen, wo die Infrastruktur und Grundversorgung sehr schlecht ist. Die Böden sind weniger fruchtbar als im Flachland und durch die Hanglage stark erosionsgefährdet. Aus diesen Gründen hat sich die Versorgung mit Nahrungsmitteln so sehr verschlechtert, dass es sogar zu Fällen von starker Unterernährung kommt – vor allem bei Kindern.

Der Zugang zu Trinkwasser ist begrenzt und durch die extreme Abgeschiedenheit der Gemeinden und die schlechten Zufahrtswege sind auch eine medizinische Versorgung und schulische Infrastruktur kaum vorhanden. Einige Bewohner haben in den Plantagen Arbeit gefunden, allerdings unter schwierigen Bedingungen.

Wie geht es mit den Auswirkungen der Palmölproblematik weiter?

Das OroVerde-Projekt am Izabal-See besteht neben Wiederaufforstungen vor allem darin:

  • Menschen zu unterstützen,
  • ihre Ernährungssituation mit ökologischen Hausgärten zu verbessern,
  • die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten sowie
  • die negativen Auswirkungen von Naturkatastrophen zu reduzieren.

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Initiativen gegen die Palmölproblematik

Kurzfristig können Projekte wie jenes von OroVerde regional helfen; langfristig jedoch kann eine umfassende und überregionale Lösung der durch Palmöl verursachten klimatischen und sozialen Probleme nur mit politischen Maßnahmen erreicht werden. Erste Ansätze existieren mit der Legauer Erklärung und dem Round Table for Sustainable Palm Oil (RSPO) bereits! In der Legauer Erklärung wurden bereits 2016 im Anschluss an das Palmöl-Forum bei Rapunzel Naturkost in Legau (Allgäu) klare Forderungen festgehalten. Zudem wurde im Jahr 2004 der RSPO gegründet. Auf freiwilliger Basis vereint er weltweit Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette des Palmöls und ist das weltweit meistgenutzte Zertifizierungssystem für Palmöl. Allerdings kritisieren viele Nichtregierungsorganisationen (NGO) aus den Bereichen Umwelt und Soziales das Zertifizierungssystem erheblich. Mehr Hintergrundinformationen und OroVerdes Position zum RSPO .

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Projektförderung

Das Erstellen der Online-Verbrauchertipps wird gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL aus Mitteln des BMZ.

Fotonachweis: K. Wothe (Titelbild, Regenwald, Orang-Utan Familie, Indigenen-Siedlung, Orang-Utan), OroVerde (E.Mannigel), OroVerde/E.Mannigel (Arbeiten auf Plantage), OroVerde (intakter Regenwald, Palmölplantage, Unterstützung der lokalen Bevölkerung)

Noch Fragen zu Palmöl?

Dr. Elke Mannigel
Teamleitung Internationale Projekte
Telefon: 0228 24290-12
E-Mail: emannigel@oroverde.de