Papier sparen retten Regenwald - Verbrauchertipps

Papier

Was Papier mit Regenwald zu tun hat

Die Digitalisierung schreitet voran. Eigentlich sollte der Papierverbrauch weltweit dadurch sinken. Leider ist genau das Gegenteil der Fall. Knapp jeder fünfte der jährlich geschlagenen Bäume fällt weltweit für die Produktion von Zellstoff für Papier. Dadurch wird insbesondere Regenwald zerstört. Jeder von uns benutzt Papier täglich und hält es dabei in den verschiedensten Formen in der Hand: als Taschentuch oder Toilettenpapier, als Druckerpapier im Büro oder als Katalog oder Tageszeitung. Die wachsende Nachfrage nach Papier für Büro, Bildung, Information, Kommunikation oder Hygiene hat massive globale Auswirkungen: Wälder, auch tropische Regenwälder, verschwinden. Seltene Tiere und Pflanzen sterben aus und der Klimawandel wird verstärkt. Doch welcher Zusammenhang besteht zwischen Papier, Regenwald und den genannten negativen Auswirkungen? Warum hat der hiesige Verbraucher mit seiner Kaufentscheidung für Recyclingpapier Einfluss auf diese globalen Veränderungen? Antworten zu diesen Fragen und zu den Hintegründen erhalten Sie hier. Zunächst aber ein paar Fakten zum Papierverbrauch in Deutschland.

Schon gewusst? Fakten aus Deutschland

  • Jeder Deutsche verbraucht pro Jahr etwa 251 Kg Papier. Das entspricht in etwa dem Gewicht eines ausgewachsenen Löwen beziehungsweise von mehr als 3 Personen.
  • Damit liegen die deutschen Verbraucher deutlich über dem EU-Durchschnitt, der bei 125 kg liegt.
  • Ein Stapel mit dem gesamten, in Deutschland in einem Jahr verbrauchten Papier wäre 520.000 km hoch und reichte damit bis zum Mond und darüber hinaus.
  • Der Großteil des Papierverbrauchs setzt sich aus Wegwerfprodukten wie (Versand-)Verpackungen, Hygieneartikel und kurzlebigen Printerzeugnissen wie Briefkastenwerbung zusammen.

Papier ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Der globale Hunger nach Papier ist immens. Doch dagegen lässt sich einiges unternehmen. Ein bewussterer Umgang mit Papier, konsequentes Recycling und spannende Upcycling-Projekte helfen dabei. Wie Sie bewusst Papier sparen und dabei auf Recyclingpapier zurückgreifen können, zeigen wir Ihnen anhand unserer Verbraucher-Tipps. Privatpersonen, Schulen und zahlreiche Unternehmen nutzen inzwischen Recyclingpapier, dass nicht mehr so grau daherkommt wie vor vielen Jahren. Weißes Recyclingpapier gibt es durchaus – ökologisch betrachtet gilt allerdings: Nur so weiß wie nötig! Achten Sie bei Ihrem Einkauf auf Umweltzeichen wie „Der Blaue Engel “. Denn es gibt umweltfreundliches Papier. Lesen Sie hier, was Sie sonst noch tun können, um Ihren Papierverbrauch zu senken  und wo Sie umweltfreundliches Papier kaufen können.

Fragen und Antworten zum Thema "Papier"

Was hat Papier mit dem tropischen Regenwald zu tun?

Papier besteht zu einem großen Teil aus Zellstoff. Dieser wird aus Holz gewonnen wird. Knapp jeder 5. der jährlich gefällten Bäume weltweit liefert Holz für die Produktion von Zellstoff für Papier. Die wachsende Nachfrage nach Papier führt dazu, dass immer mehr Zellstoff gebraucht wird. 58 Prozent des in Deutschland eingesetzten Zellstoffs werden importiert; davon 31 Prozent aus dem Regenwaldland Brasilien. Seit 2008 wächst die Bedeutung Brasiliens als Zellstofflieferant für Deutschlands Papierindustrie.

Wo wird Papier verwendet?

Heute zählen wir über 3.000 verschiedene Papiersorten, die die Papierindustrie für den Bürobedarf aber auch für den privaten Gebrauch wie etwa Schulhefte bereit hält. Diese werden zu den verschiedensten Produkten weiterverarbeitet, zum Beispiel zu Kaffee- oder Industriefilter, zu Teebeuteln, zu Tetra-Packs, zur Brötchentüte oder auch zum Zementsack. Auch als Kupplungslamellen in unseren Autos finden wir Papier wieder, genauso wie in unseren Möbeln, in Tapeten, im Laminatboden und den Lautsprechermembranen unserer Hifi-Anlagen. Laut einer Studie der Welternährungsorganisation FAO wird der weltweite Papierbedarf und somit auch der Papierverbrauch in Zukunft jährlich um 3 Prozent steigen.


Wieviel Holz für ein Kilogramm Papier?

Für die Herstellung von 1 Kilogramm Papier werden im Durchschnitt 2,2 Kilogramm Holz benötigt, welches zu Zellstoff verarbeitet wird. Die deutsche Papierindustrie bezieht einen Großteil des Zellstoffs aus nördlichen (Ur-)Wäldern Schwedens, Finnlands, und Russlands. Ein Viertel des Zellstoffs stammt jedoch aus den tropischen Wäldern Brasiliens. Zellstoff aus Indonesien erreicht uns über Umwege durch Produkte aus China.


Wovon verbrauchen wir was? Weitere Fakten aus Deutschland

Den Großteil des Papierverbrauchs in Deutschland fällt für Wegwerfprodukte wie Verpackungen, Hygieneartikel und kurzlebige Printerzeugnisse wie Briefkastenwerbung an. Rund 9 Millionen Tonnen Papier in Form von Verpackungsmaterialien, wie Karton und Pappe, haben Konsumenten im Jahr 2013 verbraucht. Aufgrund des stetigen Wachstums des Online-Versandhandels für Privathaushalte und der starken deutschen Exportwirtschaft ist ein Rückgang des Papierverbrauchs auch in Zukunft nicht abzusehen. In der Kategorie „Grafische Papiere“, zu der Papiere wie Zeitschriften, Zeitungen und Bücher sowie Kopierpapiere, Schreibhefte und Blöcke zählen, wurden im Jahr 2013 in Deutschland 8,6 Millionen Tonnen verbraucht, darunter allein 1,3 Millionen Tonnen für Briefkastenwerbung. Auch die Menge an verbrauchtem Toilettenpapier, an Taschentüchern und Windeln sowie weitere Hygieneprodukten wächst in Deutschland stetig. So kommen wir im Papierverbrauch von Hygienepapieren in 2013 zu einer Zahl von 1,5 Millionen Tonnen, was immerhin 18 Kilogramm pro Kopf ausmacht. 

Quellen

Papierverbrauch weltweit

Durchschnittlich 55 Kilogramm Papier verbrauchte jeder Bewohner der Erde im Jahr 2014. Doch wie bei nahezu allen Gütern geht es auch beim Papierkonsum äußerst ungerecht zu: Während Europäer mit 125 Kilogramm pro Kopf und Nordamerikaner mit 215 Kilogramm pro Kopf enorme Mengen nutzen, liegen Lateinamerika und Asien weit unter dem Durchschnitt. Besonders niedrig ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Afrika – er unterschreitet  mit 7 Kilogramm um Längen die von der UNESCO definierte Bedarfsgrenze von 30 Kilogramm pro Jahr, mit der jeder Mensch seinen Grundbedarf an Papier abdecken können sollte.

Papierverbrauch Deutschland

Mit 20,2 Millionen Tonnen war Deutschland im Jahr 2014 global gesehen der viertgrößte Papierkonsument. Den Großteil davon – Verpackungen, Hygieneartikel oder Briefkastenwerbung – werfen Verbraucher nach kurzer Zeit weg. Beim durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch lagen wir mit 251 Kilogramm sogar weltweit auf Rang 2. Stellt man sich den gesamten Jahrespapierverbrauch Deutschlands als eine aneinander gereihte Lkw-Schlange vor, so reicht diese Schlange von Berlin bis zur Chinesischen Mauer.


Warum trotzdem lieber Papier statt Plastik verwenden?

Papier ist grundsätzlich kein schlechtes Material! Im Vergleich zu Plastik, welches aus begrenzt vorhandenem Erdöl gewonnen wird, ist Papier ein nachwachsender Roh­stoff, der zusätzlich mit verhältnismäßig geringem Aufwand wiederverwertet werden kann. Wichtig ist nur ein sparsamer, umweltbewusster und nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen. Alternativen zu Papier in den verschiedensten Bereichen, die noch langlebiger sind, sind vor allem Stoffe und Glas.

TIPP

Wenn Papier, dann am besten Recyclingpapier! Nutzen wir Recyclingpapier anstelle von Frischfaserpapier, so leisten wir einen beachtlichen Beitrag zum Ressourcenschutz, Waldschutz und Klimaschutz. Warum das so ist, erfahren Sie auf der Seite zu „Recyclingpapier".


Wie ist Papier richtig zu trennen?

Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Einsatzmöglichkeiten für Papier. Neben den „offensichtlichen“ Papierprodukten wie Eierkartons, Zeitungen, Schulhefte oder Schreibblöcke gibt es aber auch unzählige Varianten, bei denen das Papier beschichtet, mit Kleber versehen oder mit zusätzlichen Chemikalien behandelt ist. Auch wenn diese Materialien manchmal wie ganz normales Papier aussehen, dürfen sie nicht im Altpapier entsorgt werden, sondern müssen in den Restmüll wandern. Genauso verhält es sich mit verschmutztem Papier wie zum Beispiel Pizzakartons, bei welchen das Fett beim Recyclingprozess nicht herausgefiltert werden kann oder ander verschmutzte Kartons. Um die Unterscheidung solcher Papierprodukte etwas einfacher zu machen, haben wir hier eine Liste zusammengestellt, die zeigt welche Papierabfälle wirklich in die blaue Mülltonne gehören und welche besser in der Mülltonne für Restmüll aufgehoben sind:

Was zählt zu Altpapier?

Was gehört in die Restmülltonne?

  • Zeitung
  • Zeitschrift
  • Katalog
  • Telefonbuch
  • Karton
  • Wellpappe
  • Bastelpapierreste
  • Packpapier
  • Löschpapier
  • Eierkarton
  • SchulhefteBüro-/Kopierpapier
  • Buch (ohne Umschlag)
  • Durchschlagpapier
  • Briefumschlag (ohne Klebestreifen)
  • Bierdeckel (sauber und trocken)
  • Tragetüte aus Papier
  • saubere Papierverpackungen
  • Neu! Post-it
  • Neu! Brötchentüten aus Recyclingpapier (nicht verschmutzt)
  • verschmutzte Papierverpackung (z.B. Pizzakarton)
  • Serviette
  • verschmutzte Pappteller
  • Backpapier, Butterbrotpapier
  • Briefumschlag mit Luftpolsterfolie
  • Tapete
  • Windel
  • Aktenordner
  • beschichtetes Papier (der Reiß-Test zeigt‘s)
  • Abzugstreifen von Selbstklebeetiketten
  • Fahrkarte (Thermopapier)
  • Kassenbon (die meisten sind aus Thermopapier)
  • Hygienepapiere wie Klopapier, Taschentuch, Kosmetiktuch
  • Fotopapier
  • Postkarte
  • Sankt-Martins-Laternen

... und so sehen die Tonnen in etwa aus:

Altpapier

Restmüll

Sie haben es in der Hand!

Ressourcen schonen ist ganz einfach

Wer weniger Papierprodukte verbraucht, schützt wertvolle Ressourcen und schont die Umwelt. Jeder kann sich ohne großen Aufwand daran beteiligen und mit kleinen Verhaltensänderungen im Alltag schon viel erreichen. Regenwaldwald und Umwelt zu schützen ist ganz einfach, wenn wir:

  • Recyclingpapier nutzen, egal ob bei Taschentüchern, Toilettenpapier, Kopierpapier oder Schreibheften beziehungsweise Schulheften und dabei auf den Blauen Engel achten, denn der garantiert 100 Prozent Altpapier,
  • nur wirklich notwendige Dinge ausdrucken - wenn möglich beidseitig,
  • einseitig bedruckte Blätter als Notizzettel verwenden,
  • uns in die sogenannte „Robinson-Liste“ eintragen lassen und damit keine unerwünschten Werbebriefe mehr im Briefkasten vorfinden (mehr dazu unter www.ichhabediewahl.de),
  • zusätzlich den Hinweis „Bitte keine Werbung!“ am Briefkasten anbringen (Link zum Bestellformular),
  • alle überflüssigen und ungewollten Kataloge abbestellen oder mit Nachbarn und Freunden teilen,
  • Bücher und Zeitschriften weitergeben, verkaufen oder verschenken (z.B. auch durch einen Bücherschrank),
  • nach Möglichkeit lokal einkaufen und auf Onlinebestellungen mit viel Verpackungsmaterial verzichten,
  • ungenutzte Druckerzeugnisse kreativ „zweckentfremden“  (Stichwort: Upcycling), z. B. als Geschenkverpackungen oder Briefumschläge, und
  • Papiermüll in der Altpapiertonne sammeln und vom Restmüll trennen.

Weitersagen

Setzen Sie sich dafür ein, dass andere Menschen zu Recyclingpapier greifen. Machen Sie mit pfiffigen Postkarten auf das Thema aufmerksam:

Projektförderung

Das Erstellen der Online-Verbrauchertipps wird gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL aus Mitteln des BMZ.

Das könnte Sie auch interessieren:
  • Sie haben die Papier-Wahl! Was Sie darüber hinaus für den Regenwald tun können, erfahren Sie mit unseren Verbraucher-Tipps: Alltagstipps zum Regenwaldschutz
  • Lassen Sie Bäume wieder wachsen, und schaffen Sie Lebensraum für Tiere. OroVerde unterstützt vor Ort die Wiederaufforstung gerodeter Regenwaldflächen. Helfen auch Sie mit einer Spende!
  • Unsere Rubrik „Regenwald-Wissen“ stellt Ihnen das Ökosystem Regenwald und seine Artenvielfalt vor.

Sie haben noch Fragen?

Wir helfen Ihnen gerne weiter!
OroVerde - Die Tropenwaldstiftung
Telefon: 0228 24290-0
E-Mail: info@oroverde.de