Recycling-Toilettenpapier verwenden - Verbrauchertipps

Regenwald stirbt für Klopapier

Papierverbrauch und seine Folgen

Deutschland gehört mit den USA zu den Spitzenreitern beim Pro-Kopf-Papierverbrauch. Der dafür nötige Anbau von schnellwachsenden Hölzern auf ehemaligen Regenwaldgebieten bringt in vielen Ländern Probleme mit sich. So trägt unser Papierverbrauch zum Verlust vor allem von tropischen Regenwäldern und zum Artensterben der Tiere, Pflanzen und Insekten bei, die zuvor im Regenwald heimisch waren. Die lokale Bevölkerung verliert mit der Abholzung des tropischen Regenwaldes ihre Lebensgrundlage. Wie es so weit kommen konnte, dass der tropische Regenwald und seine Bewohner so sehr davon betroffen sind, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Schon gewusst?

  • In den letzten 30 Jahren hat sich die weltweite Papierproduktion auf heute 400 Millionen Tonnen verdoppelt.  Knapp ein Fünftel des 2014 weltweit produzierten Zellstoffes kam aus den Tropen, v.a. aus den Regenwald-Ländern Brasilien und Indonesien.
  • 2015 wurden in Brasilien 16,8 Millionen Tonnen Zellstoff produziert und dafür eine Fläche größer als Mecklenburg-Vorpommern verbraucht.
  • Für den weltweiten Papierkonsum wurden in Indonesien auf ehemaligen Regenwaldflächen bis 2012 etwa 1,5 Mio ha Holzplantagen für die Zell­stoffproduktion angelegt. Das entspricht einer Fläche, in die fast sechsmal das Saarland hinein passen würde!

Die Zellstoffproduktion ist ein direkter und indirekter Entwaldungstreiber. Aus Regenwäldern werden  Eukalyptus-"Holzäcker". Eukalyptus gilt als besonders schnellwüchsige Baumart. Der Eukalyptus-Anbau in Monokultur-Plantagen hat allerdings schwerwiegende Auswirkungen auf den Regenwald. Chemikalien verunreinigen die Umwelt und bedrohen die Gesundheit von Mensch und Tier. In Indonesien und Brasilien treten vermehrt soziale Probleme auf, da der dortigen Bevölkerung die Existenzgrundlage genommen wird. Auf der Insel Sumatra ist ein dramatischer Artenschwund zu verzeichnen. Verursacht durch die Abholzung der Regenwälder sind immer mehr Tierarten bedroht – weniger als 680 Sumatra-Tiger und ca. 13.800 Sumatra-Orang-Utans leben noch auf der Insel Sumatra. Modellrechnungen zu aktuellen Entwicklungsplänen zeigen, dass bei der Umsetzung Lebensraum zerstört werden würde und weitere 4.000 Orang-Utans verschwinden könnten. Aber das muss nicht sein! Ein bewusster Umgang mit dem für uns selbstverständlich gewordenen Material Papier kann schon eine Menge bewirken.

Fragen und Antworten zum Thema "Papierverbrauch und Folgen"

Was hat mein Papierverbrauch mit der Abholzung des tropischen Regenwaldes zu tun?

Die Papierindustrie stillt unseren massiven Papierbedarf durch eine hohe Produktionskapazität. Mit 20,2 Millionen Tonnen war Deutschland im Jahr 2014 global gesehen der viertgrößte Papierkonsument. Das hat massive Auswirkungen auf jene Länder, die den Rohstoff für unseren Bedarf liefern wie etwa auf Brasilien und Indonesien.

Folgen für Tiere und Pfanzen

Holzplantagen tragen als künstlich gepflanzte Monokulturen zur Umweltzerstörung bei. Sie sind „grüne Wüsten“, in denen kaum etwas Anderes außer den angepflanzten Bäumen wächst. Diese Monokulturplantagen werden  häufig gerodet (z.B. Eukalyptus in Brasilien ca. alle 7-12 Jahre) und regelmäßig von unerwünschten Pflanzen „gereinigt“. Zusätzlich verdichten schwere Erntemaschinen den ausgelaugten Boden, mindern so seine Wasseraufnahmefähigkeit und den Schutz gegen Bodenerosion  und beeinträchtigen damit das ganze umliegende Ökosystem. Ein absolut feindlicher Lebensraum für Tiere und Pflanzen!

Wasserverbrauch

Ein weiteres Problem ist der enorme Wasserverbrauch, besonders bei den in Brasilien dominierenden Eukalyptusplantagen . Der „Durst“ der Plantagen ist mit rund 12.000 Liter Wasser pro Hektar Plantagenfläche am Tag so hoch, dass er zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels in der Umgebung und einer geringeren Wasserverfügbarkeit für andere landwirtschaftliche Tätigkeiten führen kann.

 

Indirekte Landnutzungsänderungen

Für die Errichtung von Zellstoffplantagen für die Papierproduktion werden bis dahin landwirtschaftlich genutzte Flächen umgewandelt. Da diese Flächen jedoch von der dortigen Bevölkerung gebraucht werden, wird Wald für neue Flächen gerodet. Nicht selten fällt Regenwald, um diese Fläche landwirtschaftlich nutzen zu können. Letztlich führt die Ausdehnung der Plantagen zu weiterem Waldverlust und wird als „indirekte Landnutzungsänderung“ bezeichnet.

Pestizide und Dünger

Monokultur-Plantagen laugen den Boden schnell aus. Die ausgelaugten Plantagenböden machen die Pflanzen sehr anfällig für Schädlinge. Damit die intensive Landnutzung wirtschaftlich und profitabel ist, greifen die Zellstoffproduzenten auf den Einsatz von Pestiziden und Dünger zurück. Und das sehr großzügig. Überschüssige Pestizide und Düngemittel gelangen ins Grundwasser. Die Lebensmittel- und Trinkwasserversorgung der Bevölkerung ist dadurch in Gefahr.  Auch bei der Verarbeitung von Holz zu Zellstoff in den Fabriken werden große Mengen an Wasser, Energie und Chemikalien verbraucht. Viele der eingesetzten Chemikalien gefährden Luft, Böden, Wasser sowie die Gesundheit der Menschen vor Ort. So werden etwa die Abwässer oftmals nur unzureichend gesäubert und an die Umwelt abgegeben.


Was passiert mit den Menschen und Tieren vor Ort?

Durch die Zellstoffplantagen verlieren nicht nur diverse Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum, auch die heimische Bevölkerung verliert ihre Existenzgrundlage und Ernährungssicherheit. Ackerland und Viehweiden gehen ebenso verloren wie der freie Zugang zum Wald, der über Jahrhunderte Nahrungsmittel, Heilpflanzen oder Brennholz lieferte. Bei der Vergabe von Konzessionen (Nutzungsrechten) für neue Zellstoffplantagen werden die Landrechte der lokalen Bevölkerung zum Teil missachtet. Wehren sich die Betroffenen, werden sie nicht selten – auch gewaltsam – eingeschüchtert. Neue Arbeitsplätze entstehen weniger, hauptsächlich für die Rodung und Bepflanzung der Plantagen. Die spätere Ernte ist sogar weitgehend automatisiert. Es werden nur noch einige wenige qualifizierte Arbeiter benötigt, die häufig von Außerhalb kommen.


Was passiert, wenn weiterhin viel Papier verbraucht wird?

Papier besteht aus nachwachsenden Rohstoffen und ist damit eigentlich ein tolles Produkt. Doch sind mit der Nutzung und dem hohen Verbrauch weltweit viele Probleme verbunden. Bei der Verarbeitung von Holz zu Zellstoff große Mengen an Wasser, Energie und Chemikalien verbraucht. Viele der eingesetzten Chemikalien gefährden Luft, Böden, Wasser sowie die Gesundheit der Menschen vor Ort. Diese Verunreinigungen und Gefahren werden stark zunehmen, wenn immer mehr landwirtschaftliche Nutzfläche für unseren Papierkonsum geschaffen werden. 

Schon gewusst?

 Überfluss hier, Mangel dort

Wie zumeist bei allen Gütern geht es auch beim Papierkonsum weltweit sehr ungerecht zu. Die UNESCO hat eine Bedarfsgrenze von 30 kg definiert. Mit dieser Menge sollten Menschen ihre Grundbedürfnisse an Bildung, Kommunikation und Hygiene abdecken können. Der Durchschnitt des Pro-Kopf-Verbrauchs 2014 weltweit lag bei 55 kg. Europäer und Nordamerikaner lagen deutlich über diesem Durchschnitt. Lateinamerikaner und Asiaten verbrauchten weit weniger als der Durschnitt. Mit 7 kg mussten Menschen in Afrika auskommen. Ihr Bedarf wurde bei Weitem nicht gedeckt.

Wie lässt sich Papier einsparen?

Wie Papierverbauch und tropischer Regenwald zusammenhängen, haben Sie bereits hier erfahren. Daher gilt für jeden Verbraucher: Wer weniger Papierprodukte verbraucht, schützt wertvolle Ressourcen – und den tropischen Regenwald! Wir alle können uns ohne großen Aufwand daran beteiligen. Eine Papierproduktion, die weniger negative Auswirkungen auf andere Menschen und die Zukunft hat, setzt Aspekte wie nachhaltige Forstwirtschaft, den Erhalt der Biodiversität und die Vermeidung von Landnutzungsänderungen*  voraus. Durch eine nachhaltige Bewirtschaftung ausgelaugter Böden, wie bspw. durch Mischwald- oder Agroforstsysteme, können Böden wieder regeneriert und ihr Holzertrag gleichzeitig wirtschaftlich genutzt werden.
Den Biodiversitäts- und Waldverlust, die Bodenverschlechterung, die Armut und Co. können sich nur verlangsamen, wenn wir alle gemeinsam dabei helfen, den Papierverbrauch zu reduzieren. Der Einfluss unseres Papierbedarfs spielt also eine ernstzunehmende Rolle. Daher lohnt sich der Umstieg auf die Alternative „Recyclingpapier“! Jetzt handeln!

 

Quellen

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  • Warum ist die Artenvielfalt des Regenwaldes so wichtig? Antworten auf diese und weitere Fragen rund um den Regenwald lesen Sie unter „Regenwald-Wissen“.
  • Die OroVerde-Projekte für Schüler zum Thema Konsum & Regenwaldzerstörung machen frühzeitig auf die Zusammenhänge aufmerksam.
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