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Ein Mann nimmt eine Straßenkatze mit nach Hause. Zehn Jahre später wird klar, dass er eine noch unentdeckte Wildkatzen-Spezies beherbergte. Leopardus tilcayo aus Bolivien ist die erste neu entdeckte Katzenspezies seit 100 Jahren. Sie ist wohl eine der vielen unentdeckten Spezies, die sich in den Tropenwäldern verstecken.

18. September 2026 | Lilli-Valerie Wynands

Neuigkeiten aus den Nebelwäldern: Eine neue Katzenspezies wurde in Bolivien entdeckt! Das gab nun das Forschungsteam rund um Biologin Paola Nogales-Ascarrunz in ihrem neuen Paper bekannt. Für ihre Forschungen schauten sie sich die Genome verschiedener Katzen des Typen Leopardus an. Die Ergebnisse waren überraschend: Von den fünf Spezies Tigerkatzen, ist eine der Wissenschaft unbekannt.

Haustier wird zur Neuentdeckung

Die Forschenden wurden zuerst aufmerksam auf die Katze, nachdem sie von einem lokalen Mann in einer Tierrettungsstation abgegeben wurde. Der Mann hatte die Katze am Straßenrand gefunden. Da er die Jungkatze für eine Hauskatze hielt, nahm er sie mit. Ein Jahr später gab er sie bei der Rettungsstation ab, als klar wurde, dass es sich nicht um eine Hauskatze handelt. Diese benachrichtigten die Wissenschaftlerin Paola Nogales-Ascarrunz, die schnell bemerkte, dass einige Merkmale der Katze nicht zu bereits bekannten Tigerkatzenspezies passen.

Kleine Katze, große Entdeckung

Die Leopardus tilcayo ist kleiner als die durchschnittliche Hauskatze. Von Kopf zum Körperende misst sie circa 45 cm und wiegt dabei gerade mal um die anderthalb Kilogramm. Auffällig ist ihre leopardenartige Musterung. Diese trug auch maßgeblich zu ihrer Entlarvung als neue Spezies bei. Denn Nogales-Ascarrunz vermutete zuerst eine Zugehörigkeit zur Spezies Leopardus tigrinus. Deren Rosetten sind jedoch deutlich kleiner.

Wissenschaftliche Anerkennung einer lokal bekannten Spezies

Ihren Namen, Leopardus tilcayo, erhielt die neue Spezies aufgrund ihres Namens im Volksmund: Tilcayo. Obwohl die lokalen Einwohner*innen Boliviens die Bedeutung und Herkunft dieses Namens nicht erklären können, zeigt sich hier eine lange Bekanntschaft mit dem Tier. Denn sie haben den Namen bereits von ihren Großeltern gelernt. So wurde die Spezies zwar von der Wissenschaft hier erstmalig als merklich neue Spezies entdeckt, aber es handelt sich keineswegs um die erste Sichtung einer Katze wie dieser.

Viele Spezies noch unentdeckt

Die Leopardus tilcayo wird nicht die einzige noch wissenschaftlich unentdeckte Art sein. Bis jetzt sind rund zwei Millionen Tier- und Pflanzenarten wissenschaftlich beschrieben. Nach Schätzungen von Forschenden könnte es aber auf Erden sogar bis zehn Millionen Arten geben. Eine besonders große Dichte an Artenvielfalt besteht dabei in den Tropenwäldern, wo auch die Leopardus tilcayo entdeckt wurden. Die hohe Sonneneinstrahlung, klimatische Stabilität und hohe Anzahl an ökologischen Nischen sorgen für hervorragende Voraussetzung für die Entwicklung von neuen Leben.

Nebelwälder – Ein Einblick in das Zuhause der Leopardus tilcayo

Es ist zwar noch wenig über die Leopardus tilcayo bekannt, ihren Lebensraum kennen wir aber schon. Die Tigerkatzen halten sich auf der östlichen Seite der Anden in Bolivien auf. In diesen Höhen, auch Yungas genannt, ist der Wald oft dauerhaft von Wolken und Nebel umgeben und gilt deswegen als Nebenwald

Eine Biodiversitäts-Insel am Berg

Nebelwälder sind eine seltene Art von Wald. Sie wachsen an Berghängen, wo feuchte Luft aufsteigt und abkühlt. Dabei bilden sich Wolken und Nebel, die den Wald in Feuchtigkeit hüllen. Die Temperaturen und Luftfeuchtigkeit unterscheiden sich meist deutlich von den Temperaturen im Tal. Untereinander sind Nebelwälder oft voneinander abgetrennt wie Inseln. Durch diese Faktoren entsteht ein Lebensraum, in dem sich Arten recht unabhängig weiterentwickelt können. Deswegen haben Nebelwälder eine sehr hohe Dichte an Biodiversität und endemischen Arten. Etwa 3.700 Tier- und Pflanzenarten leben dort, wovon die Hälfte nur in Nebelwäldern vorkommt.

Nebelwälder als bedrohtes Ökosystem

Durch ihre Seltenheit und Biodiversität sind Nebelwälder besonders wertvolle Ökosysteme. Doch auch sie sind durch Abholzungen und den Klimawandel gefährdet. Schwinden sie, so fehlen auch die Lebensräume für viele Arten und es kommt zum Artensterben. Dadurch können ganze Ökosysteme zum Zusammenbruch kommen. Deswegen ist es wichtig, die Nebelwälder zu schützen, damit wir auch in Zukunft noch Neuentdeckungen wie die Leopardus tilcayo machen dürfen.

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Bildnachweis: Alessandro Verniani - Own work, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons (Header und Nahaufnahme der Tigerkatze), Roger Burkhard - Wildscreen Exchange (Pfeilgiftfrosch), Martin Baumann - OroVerde (Nebelwald mit Fluss)

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