Soja und Fleisch

Zusammenhänge, Hintergründe und Fakten

Weltweit wächst der Appetit auf Fleisch. Da es vielfältig vorhanden und zudem noch preiswert ist, gehört Fleisch inzwischen zu fast jeder Mahlzeit dazu. Doch die Erzeugung von Fleisch, Milch, Käse und Eiern in Verbindung mit Massentierhaltung hat enorme Auswirkungen auf das Klima, den Verbrauch landwirtschaftlicher Nutzflächen, auf die Artenvielfalt, auf Antibiotika-Resistenzen sowie auf Böden und Gewässer. Mit Blick auf die globale Bevölkerungsentwicklung stellt sich die Frage, wie viel Fleisch wir uns in Zukunft noch erlauben können, bis wir an Grenzen stoßen. Vordergründig scheint es nicht nachvollziehbar, warum der Fleischhunger immer mehr tropischen Regenwald unwiederbringlich vernichtet. Doch unser Fleischkonsum ist eng mit dem tropischen Regenwald verzahnt. Wie genau hängen Fleischnachfrage und Regenwald zusammen? Was kann jeder Einzelne tun, um sich gesund und umweltbewusst zu ernähren? Dieser Beitrag beantwortet diese und weitere interessante Fragen zu Soja und Fleisch.

Schon gewusst?
  • 1/3 aller landwirtschaftlichen Flächen weltweit werden für den Anbau von Tierfutter verwendet.
  • Zu den größten Abnehmern von Soja zählt die Europäische Union (EU). Das importierte Soja wird beinahe vollständig in der Tierfuttermittelindustrie verwendet.
  • Innerhalb der EU war Deutschland 2015 mit knapp 5,9 Millionen Tonnen der größte Importeur,  etwa die Hälfte des „deutschen“ Soja kam aus Brasilien.
  • 2015 lag der durchschnittliche Fleischverzehr pro Kopf in der EU bei 59 kg pro Jahr! Für die Produktion dieser 59 kg Fleisch werden neben weiteren Futtermitteln 41,6 kg Soja verfüttert.

Durch unseren Fleischhunger sind unsere Gesundheit und ganze Ökosysteme gefährdet. Fast 60 kg Fleisch verzehren wir rechnerisch pro Jahr. Das ist mehr als 1 kg pro Woche. Welche Folgen hat der Verzehr dieser Menge Fleisch für die Umwelt und speziell für den Regenwald? Worauf kann ich als Verbraucher achten? Und wie hängen Fleischkonsum, Massentierhaltung, Sojaanbau und Regenwald zusammen? Um diese Fragen geht es auf diesen Seiten. Darüber hinaus erfahren Sie, welche Siegel Ihnen bei der Orientierung helfen, um die eigene Ernährung umweltbewusst zu gestalten.

Fragen und Antworten zu "Soja & Fleisch"

Was hat mein Fleischkonsum mit der Regenwaldzerstörung zu tun?

Soja erlebt einen regelrechten Boom als Tierfutter in der industriellen Massenproduktion. Um die anhaltend hohe Nachfrage zu befriedigen, wird Soja überwiegend in großflächigen Monokulturen, also artenarmen Äckern mit nur einer einzigen Pflanzenart angebaut. Dafür werden vor allem im brasilianischen Regenwald riesige Flächen gerodet. Die Europäische Union (EU) gehört zu den größten Abnehmern von Soja. Deutschland ist der Spitzenreiter der Abnehmer innerhalb der EU. Somit ist der große Fleischhunger ein wichtiger Grund für die Abholzung von tropischem Regenwald!

Warum wird Soja als Futtermittel benutzt?

Soja wird als Futtermittel eingesetzt, da es deutlich mehr Eiweiß als andere Bohnenarten enthält. Das ist für die Massentierhaltung enorm wichtig, da die Tiere eiweißhaltiges Futter für ein schnelles Wachstum benötigen. Wurden ursprünglich nur so viele Tiere gehalten, wie die umliegenden Flächen ernähren konnten, wird in der Massentierhaltung Tierfutter in großen Mengen hinzugekauft. So zum Beispiel Soja, das zu ca. 50% aus dem Regenwald-Land Brasilien stammt.

Die steigende Nachfrage nach Soja hat allerdings auch eine weitere Ursache. Durch das Verbot, Tiermehl als Eiweißfutter für die rasant wachsende Massentierhaltung einzusetzen, wurde ein Ersatz-Eiweißlieferant gesucht und in Soja gefunden. Tiermehl wurde zuvor als Auslöser von BSE („Rinderwahn“) identifiziert. Seitdem warnen Naturschützer, der Teufel sei mit dem Beelzebub ausgetrieben worden. Zwar wolle man die Ausbreitung der Seuche BSE eindämmen, jedoch ziehe nun die Vernichtung der tropischen Regenwälder viele weitere Folgen nach sich: vom Anheizen des Klimawandels bis zum Aussterben einmaliger Tier- und Pflanzenarten.

Was versteht man unter Massentierhaltung?

Definition Massentierhaltung: In der Massentierhaltung werden Nutztiere gleicher Art und Altersgruppe in großen Beständen auf begrenztem Raum gehalten, wobei der Betrieb mehr Tiere hält, als er von seinen eigenen Flächen ernähren kann. Der Import von Futtermitteln ist daher ein Charakteristikum. Kennzeichen der Massentierhaltung ist zudem der geringstmögliche Einsatz von Arbeitskräften zur Versorgung und Fütterung sowie die Verwendung mechanischer Einrichtungen für die Unterbringung und Haltung der Tiere.


Wieviel Soja für 1 kg Fleisch?

Für die Produktion von einem Kilogramm Hühnchenfleisch in der Massentierhaltung wird neben weiteren Futtermittelbestandteilen wie Weizen, Mais und Raps 1089 Gramm Soja benötigt. Um diese Menge Soja anzubauen, sind 4,2 Quadratmeter Ackerland erforderlich. Auf derselben Fläche könnten rechnerisch 8,5 Kilogramm Kartoffeln angebaut werden. Generell werden in Futtermitteln für die Mast von Tieren verschiedene Quellen von Proteinen, Fette u.ä. eingesetzt. In Europa handelt es sich dabei laut dem Europäischen Verband der Mischfutterindustrie neben anderen Bestandteilen zu 60 % um Sojamehl und 30% um Raps- oder Sonnenblumenmehl.

Vor dem Hintergrund, dass bis in den 2050er Jahren 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden, müssen wir eine Möglichkeit finden, all diese Menschen zu ernähren. Weniger Fleisch zu essen, damit landwirtschaftlich nutzbare Flächen für andere Lebensmittel genutzt werden können, ist ein wichtiger Schritt, um dies zu erreichen.


Wie viel Fleisch essen wir Deutsche?

60 kg Fleischkonsum und 89 kg Fleischverbrauch pro Kopf pro Jahr in Deutschland. Bei den Verbrauchszahlen wird alles berechnet, was geschlachtet wird. Also werden hier auch Knochen, Haut ­und andere nicht verwertbare Teile des Tiers mit eingerechnet. Der Konsum bezieht sich nur auf das, was wir tatsächlich auch verzehren.

Das bedeutet, dass jeder Deutsche einen durchschnittlichen Fleischverzehr von über einem Kilogramm pro Woche hat. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt aus gesundheitlichen Gründen gerade einmal den Konsum von 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche. Und obwohl unser Fleischkonsum zu einem der höchsten weltweit zählt, produzieren wir noch ein Fünftel mehr, als wir selber verbrauchen.

Was jeder tun kann

  • Zu Hause nachschauen, wie oft Fleisch und Fleischprodukte auf dem Teller sind und diese etwas reduzieren. OroVerde hat Rezepte für diesen Anlass zusammengestellt.
  • Lieber Bio-Fleisch kaufen.
  • Auf Siegel achten.
  • Weniger wegwerfen.
  • Sich für  fleischfreie Tage in der Kantine einsetzen.
  • Andere für das Thema sensibilisieren.
Quellen

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