Forest Stewardship Council®

FSC-Siegel und Tropenholz

Sinnvoll oder nicht?

Das derzeit anspruchsvollste und umfassendste Nachhaltigkeitssiegel für Holz und Holzprodukte ist das Siegel des gleichnamigen Forest Stewardship Council, kurz FSC®. Es betrachtet die drei Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales – gleichwertig. Das ist grundsätzlich schon einmal ein guter Ansatz! Generell empfiehlt OroVerde Verbrauchern in Deutschland, heimische Holzarten zu bevorzugen und Tropenholz nur in Ausnahmefällen zu nutzen. Welche Baumarten die passenden Eigenschaften für den jeweiligen Einsatzzweck haben, zeigt die „Holzaustauschliste“ von OroVerde. 

Schon gewusst?
  • Rund 18 Mio. ha tropischer und subtropischer Regenwald sind aktuell FSC® zertifiziert.
  • In Deutschland ist eine Waldfläche von etwa 1,18 Mio. ha FSC® zertifiziert. Das entspricht ungefähr einem Anteil von 11 % der Gesamtwaldfläche.
  • Die größten FSC®-Flächen in Tropenländern findet man in Brasilien, Bolivien, Indonesien und der Republik Kongo.
  • Das sogenannte FSC®-Mix-Label kennzeichnet Produkte, deren Holzbestandteile zu mind. 70% FSC®-zertifiziert sind oder auf FSC Mix Credit basieren.
  • CoC-Zertifizierung bedeutet eine Zertifizierung der Produktkette: vom zertifizierten Holz bis zu seiner Vollendung.

Fragen und Antworten zum FSC®-Siegel

Was ist der FSC?

Hinter dem Nutzungssiegel steckt der Forest Stewardship Coucil®.  Er wurde 1992 aus einer Gruppe von Firmen, Umweltschützern und Leitern von Gemeinschaften gründet. Heute ist er in etwa 80 Ländern tätig, sein Hauptsitz ist in Bonn, Deutschland. Im FSC® wurden und werden auch weiterhin strenge Nachhaltigkeitsprinzipien und Kriterien von Experten entwickelt, die die Bereiche Ökologie, Soziales und Ökonomie gleichrangig umfassen. Als gleichwertiges 3-Kammersystem sind auch die Entscheidungsgremien strukturiert. Die Prinzipien, Kriterien, Indikatoren und Länderstandards werden durch externe Prüfungen überwacht und regelmäßig weiterentwickelt.


Was ist das FSC-Siegel?

Aktuell sind 18 Millionen Hektar tropischer (und subtropischer) Regenwald FSC® zertifiziert. Diese Fläche entspricht 13 Prozent der gesamten weltweit FSC®-zertifizierten Waldfläche. Sie werden nach bestimmten Länderstandards des FSC® gemanagt und die Einhaltung der Kriterien wird regelmäßig überprüft.
Doch auch beim FSC® gibt es Verbesserungsbedarf. So gibt es nationale Standards, die in ihren jeweiligen Anforderungen an Nachhaltigkeit je nach Ökosystem oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abweichen. Zudem wird der FSC® nicht immer als glaubwürdig empfunden. Es ist z.B. fraglich, ob es tatsächlich gelingt, die strengen Richtlinien in Ländern wie der Republik Kongo oder Indonesien wirklich umzusetzen. Tropenholz ist für den FSC® grundsätzlich kein Tabu, da dort laut Angaben der Organisation ebenso ein wichtiger Beitrag zu guter Waldwirtschaft geleistet wie in Europa.

Das sagt der Experte

"Das FSC-Siegel ist das nachhaltigste beziehungsweise strengste Siegel, das es zurzeit gibt. Eine bessere Alternative gibt es gerade nicht. Daher ist die Kritik am Label deutlich überzogen. Allerdings istaus Sicht von OroVerde beim FSC®-Siegel noch einiges zu verbessern. So variieren die verschiedenen nationalen Standards teilweise erheblich und in manchen Ländern lassen sich die strengen Regeln nur schwer durchsetzen.
Besonders gut am FSC, ist seine Transparenz. Alle Ergebnisse von Zertifizierungen sind online einsehbar. Der Standard für deutsche Unternehmen ist sehr hoch. Daher ist das einheimische Holz mit diesem Siegel sehr zu empfehlen," sagt Michael Metz vom internationalen Team, OroVerde.

Was steckt hinter dem FSC®-Mix-Label?

Mit FSC®-Mix-Label werden Produkte gekennzeichnet, deren Holzbestandteile nur zu einem bestimmten Prozentsatz (von mind. 70 Prozent) aus FSC®-zertifiziertem Holz bestehen. Weitere Holzbestandteile stammen zwar aus „kontrollierten Quellen“, die bestimmten Mindestanforderungen unterliegen (Ausschluss von Holz aus illegalen Quellen oder Umwandlungsflächen, Einhaltung von Arbeitsnormen etc.), die aber nicht den hohen Nachhaltigkeitskriterien des FSC® entsprechen müssen.  

Das FSC®-Mix-Label wurde ursprünglich als Kompromiss aufgrund von Forderungen der Wirtschaft ins Leben gerufen. Inzwischen gibt es im weltweiten Handel mehr Produkte mit der FSC®-Mix Kennzeichnung als mit der FSC®-100 %-Kennzeichnung. Betroffen sind vor allem Papier- und Sperrholz(-produkte). Allerdings hat die Einführung des Mix-Labels zu einer größeren Nachfrage nach FSC®-Holz insgesamt geführt, was wiederum zu begrüßen ist.  Oroverde sieht den verstärkten Gebrauch des FSC®-Mix-Labels als widersprüchlich an. Aus Sicht von OroVerde wäre es wichtig, das FSC®-Mix Label langfristig auslaufen zu lassen und den Fokus stärker auf eine 100 %-Zertifizierung zu setzen.

Schon gewusst?

Die deutsche Vertretung des FSC® hat ihren Sitz in Freiburg, ist ein eingetragener Verein und zählt  172 Mitglieder. Zu seinen Mitgliedern zählen NABU, IGM, BDF, BUND, Robin Wood, WWF und selbstverständlich auch wir von OroVerde.

Ist das FSC®-Siegel empfehlenswert?

Am FSC® wurde gerade in der jüngeren Vergangenheit viel Kritik seitens der Medien geübt. Diese führt immer wieder dazu, dass Unternehmen nochmals genauer überprüft werden und die Kriterien und jeweiligen nationalen Standards in den einzelnen Ländern immer weiter angepasst werden. Das ist besser als gar keine Kontrollen oder andere aktuell vorhandene Siegel beziehungsweise Label für Holz und Holzprodukte, bei denen es keine unabhängigen Kontrollen gibt und die deshalb von OroVerde nicht empfohlen werden können. Die OroVerde-Empfehlung von FSC® bezieht sich hier auf Holzprodukte, nicht jedoch auf Papiererzeugnisse. Bei diesen empfiehlt OroVerde in erster Linie die Nutzung von Recyclingpapier und setzt sich für eine Verringerung des deutschen bzw. europäischen Papierkonsums ein. Mehr dazu in unseren Verbrauchertipps zum Thema „Papier“.

 

FSC®-Zertifizierung in den Tropen

Die FSC®-Zertifizierung von Baum-Plantagen in den Tropen ist für OroVerde vertretbar, da aktuell dieselben hohen Kriterien für die Bewirtschaftung angesetzt werden wie für Naturwälder. OroVerde sieht die Produktion von Holz in Plantagen unter gewissen Bedingungen als sinnvoll an: Unter anderem dann, wenn ihre Anlage es ermöglicht, Naturwälder ungenutzt zu lassen und besonders schützenswerten Gebiete unter entsprechenden Schutz zu stellen und damit auch ein Schutz vor illegalem Holzeinschlag sein können.

Das sagt der Experte

"In den OroVerde-Projektländern wird das Siegel in der Praxis vor allem dann beantragt, wenn es sich wirtschaftlich rentiert. Die Betriebe erhoffen sich vor allem höhere Preise oder einen besseren Absatz ihrer Produkte. Erfüllen sich diese Erwartungen nicht, würden sie von Fall zu Fall auch wieder von dem Label und der Zertifizierung Abstand nehmen. Unbenommen bleibt ihnen dabei, das Label irgendwann wieder zu beantragen."

Schon gewusst?

Der Handel mit Holz aus illegalen Quellen ist ein komplexes Phänomen, das sich fast ausschließlich auf Tropenholz bezieht. Der Handel mit Holz ist gesetzlich bereits strenger geregelt als andere global gehandelte Güter. Dennoch gibt es häufige Verstöße gegen diese Regelungen. Als Reaktion auf den weltweiten illegalen Holzeinschlag beschloss die EU im Frühjahr 2003 den FLEGT-Aktionsplan (Forest Law Enforcement, Governance and Trade) zur „Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und zum Handel im Forstsektor“. Eine nähere Betrachtung der politischen Bemühungen der EU und was illegales Holz ist finden Sie im OroVerde-Positionspapier zum Thema Tropenholz!

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Projektförderung

Das Erstellen der Online-Verbrauchertipps wird gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL aus Mitteln des BMZ.

Fotonachweis: OroVerde (Titelbild, Bild Metz, Holzsiegel FSC®), OroVerde/E.Mannigel (Regenwald), ©FSC Deutschland (2 Siegel), K. Wothe (Aras)

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OroVerde - Die Tropenwaldstiftung
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